Das Upper Austria Ladies wartet mit der aktuellen Weltranglisten-Zehnten auf! Die Russin Mirra Andrejewa rückte in das Feld des Linzer WTA500-Turniers als nun erste Titelanwärterin. Erstmals seit 2008 stehen vier Österreicherinnen im Hauptfeld: Nach Lilli Tagger erhielt auch Sinja Kraus eine Wildcard, Julia Grabher hatte schon davor einen Rasterplatz sicher und Anastasia Potapova rutschte letztlich auch noch in den Hauptbewerb.
Das Engagement der neuen Nummer 1 wurde am Freitag von Turnierdirektorin Sandra Reichel verkündet. Die erst 18-jährige Andrejewa würde Ende nächster Woche beim Gewinn ihres fünften WTA-Titels nicht nur 500 Punkte einheimsen, sondern auch schon die Jahres-Preisgeldsumme von 1 Million Dollar überschreiten. Den neuen Linz-Belag Sand gibt Andrejewa als ihren Lieblingsbelag an, ihre bisher wichtigsten Titelgewinne erreichte sie aber im Vorjahr bei den WTA1000-Turnieren in Dubai und Indian Wells. Heuer triumphierte sie Mitte Jänner in Adelaide.
Reichel über Andrejewa: „Spannendste Newcomerin“
Freilich gelang der Olympia-Silbernen im Doppel ihr bisher größter Grand-Slam-Erfolg mit dem French-Open-Halbfinale 2024 auf Sand. Dazu kamen auf Major-Ebene im Vorjahr Viertelfinal-Teilnahmen in Roland Garros und in Wimbledon. Bei den Australian Open reichte es heuer wie in den beiden vergangenen Jahren für das Achtelfinale, bei den US Open war für sie bisher spätestens in der dritten Runde Endstation. Betreut wird Andrejewa von der 53-jährigen Spanierin Conchita Martinez, Wimbledon-Siegerin 1994 und später Weltranglisten-Zweite.
Andrejewa nimmt den Platz der verletzten US-Amerikanerin Emma Navarro ein. „Sie ist erst 18 Jahre jung, aber gefühlt schon ewig dabei“, meinte Turnierbotschafterin Barbara Schett über Andrejewa. Sie lobte ihren „klugen Spielstil mit vielen Variationen und gezielten Schlägen“. Für Reichel ist sie aktuell die „spannendste Newcomerin im Damen-Tennis“, weshalb sie sich „riesig freut“, dass sie beim von Ostersonntag bis zum Sonntag danach – zum neuen Termin – angesetzten Event wie Titelverteidigerin Jekaterina Alexandrowa (WTA-13.) dabei ist. Zwei Wildcards werden noch vergeben.
Und das bis zur Auslosung am Sonntag (10.30 Uhr). Dass da vier Österreicherinnen im Lostopf sind, ist ein Zeichen der verbesserten Stärke der heimischen Elite. Die Wienerin Kraus ist als rot-weiß-rote Nummer 4 Weltranglisten-118., die Osttirolerin Tagger ist 108. Die Wildcards lagen auf der Hand, nachdem nach Grabher auch Potapova in den „Main Draw“ gekommen ist. Die Ende 2025 eingebürgerte gebürtige Russin erhielt den Platz der Tschechin Marketa Vondrousova. Auch Emma Raducano (GBR) und Daria Kasatkina (AUS) sagten ab.
Doppel Tagger/Potapova
Mit einem ÖTV-Quartett stehen die Chancen gut, dass der „Linz-Fluch“ fällt. Patricia Mayr-Achleitner war 2013 die bisher letzte ÖTV-Siegerin in Runde 1 (Aus im Viertelfinale). Reichel: „Ich bin zuversichtlich. Frau Potapova hat ja das Turnier schon einmal gewonnen (2023, Anm.).“ Alle vier Spielerinnen hätten das Zeug dazu. „Natürlich würde das dem Turnier guttun.“ Sie weigert sich aber, das Turnier vom Erfolg von Lokalmatadorinnen abhängig zu machen. „Wir haben das schon lange durchgestanden. Aber das Turnier ist der Star und nicht die einzelne Spielerin.“
Hinsichtlich der Premieren-Austragung beim 35-Jahr-Jubiläum des Turniers auf Sand rechnet Grabher mit längeren Ballwechseln, wie sie am Freitag in einer Pressekonferenz meinte. Es sei „extrem schön“, mit drei Landsfrauen an den Start im Linzer Design-Center zu gehen. Sie würden sich „sehr pushen und motivieren“. Nach einer Wadenzerrung konnte sie in den vergangenen sechs Wochen nicht viele Matches spielen. In den vergangenen drei Wochen habe sie sich aber gut auf Sand vorbereitet. Potapova wiederum wird mit Tagger auch im Doppel antreten.
„Es wird ein Mega-Turnier, das habe ich im Gefühl!“
Wermutstropfen für die Österreicherinnen und wohl auch andere im Feld ist die Unmöglichkeit, für das jeweilige Land beim Billie Jean King Cup zu spielen. Das ÖTV-Team tritt zeitgleich in der Europa/Afrika-Zone II in Banja Luka daher mit einem B-Team an, kämpft gegen den Absturz in Zone III. Grabher meinte, dass der Termin für sie in Ordnung sei, es ihr aber wehtue, nicht beim Teambewerb antreten zu können. Bei Potapova wiederum sind nach dem Nationenwechsel alle Papiere eingereicht, sie hofft daher bei nächster Gelegenheit im Billie Jean King Cup dabei sein zu können.
Die Besetzung des größten österreichischen Frauen-Tennis-Turniers bringt es mit sich, dass mit Sloane Stephens eine Ex-Grand-Slam-Siegerin am Sonntag die Qualifikation bestreitet – per Wildcard. Die 33-Jährige will sich nach einer langen Verletzungspause an die Weltspitze zurückkämpfen. Die Umstellung auf Sand kostet laut Reichel einen niedrigen sechsstelligen Betrag und wird wohl den einen oder anderen längeren Tag bringen. „Sandplatz-Tennis ist ganz anders, Indoor auch wieder anders. Ich freue mich extrem drauf. Es wird ein Mega-Turnier, das habe ich im Gefühl.“
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