Die zweiten 45 Minuten von Deutschland gegen Ghana waren daher Sport von einem anderen Planeten. Aber für viele Fans rund um den Globus war es ein unverhofftes Wunder, als plötzlich die Fesseln der einstudierten Zwänge abgestreift wurden: Deutschlands Teamchef Jogi Löw hatte ja einen offenen Schlagabtausch verhindern wollen und Sicherheit durch Dominanz gefordert, seinem ghanaischen Kollegen James Appiah war daran gelegen, gefährliche Flanken des Gegners und Standardsituationen zu verhindern.
Aber dann kam alles anders! Ausgelöst natürlich durch Fehler, wie etwa von Shkodran Mustafi und Philipp Lahm sowie der gesamten afrikanischen Abwehr; aber dadurch entstand das wohl aufregendste Spiel dieser WM, über das sich auch die internationalen Medien vor Begeisterung überschlagen: Es bleibt unvergessen! Da lief einem die Gänsehaut über den Rücken, wie der Außenseiter den Rückstand in eine 2:1-Führung verwandelte, da ging den Zusehern das Herz auf, wie der am Boden liegende Favorit zurückfightete, und da staunte man mit offenem Mund, wie beide Teams in der Schlussphase das 3:2 erzwingen wollten. Jeder Angriff eine Torchance, herrlich: wie früher ein Boxkampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, man schlägt, man trifft, man denkt nicht. Ohne Taktik.
Wahrscheinlich werden diese 45 Minuten in der Trainer-Ausbildung als abschreckendes Beispiel vorgeführt - aber für die Zuschauer auf der ganzen Welt waren sie ein Geschenk!
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