"Krone": Niki, die Spannung steigt. Dein Bauchgefühl für den Kanada-GP?
Niki Lauda: Ziemlich ruhig, ein ganz normales Gefühl. Warum? Weil Montreal für Mercedes eine gute Strecke sein sollte.
"Krone": Aber der Circuit Gilles Villeneuve hat Tücken.
Lauda: Klar, es ist keine permanente Rennstrecke, daher ist es beim freien Training noch sehr rutschig, wenig Grip. Aber das gibt sich bis zum Rennen. Du brauchst hier eine gute Motorleistung, aber: aufpassen auf die Bremsen! Auch das Wetter ist hier immer unbeständig. Ein schwieriges Rennen steht bevor, aber wir machen uns keine besonderen Sorgen.
"Krone": Nach dem "Krieg der Sterne", dem Fight zwischen deinen Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Monte Carlo, rätselt die Formel 1: Was passiert in Kanada, macht die "Wall of Champions" (1999 krachten die Weltmeister Hill, Schumacher und Villeneuve nacheinander gegen diese Wand) ihrem Namen wieder Ehre?
Lauda: Schau, wenn die zwei Bahrain-artig auf den Millimeter nebeneinanderfahren, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Millimeter fehlt. Das Risiko wird immer höher, aber: Beide wissen, wenn es einen Crash gibt und einer fährt weiter, dann könnte dies eine Vorentscheidung im WM-Duell sein. Wir setzen auf die Intelligenz unserer Fahrer.
"Krone": In Monaco hatte Hamilton plötzlich den Vergleich zu Senna/Prost gefunden. Treffend oder nicht?
Lauda: Wir, das sind Toto Wolff, Paddy Lowe und meine Wenigkeit, wollen als Team weiterkommen. Wenn sich die Fahrer nicht mehr grüßen, werden sich auch bald darauf die Ingenieurs-Gruppen nicht mehr grüßen. Das darf nicht passieren. Wir müssen harmonisch miteinander arbeiten, um den Vorsprung, den wir jetzt haben, zu halten oder weiter auszubauen.
"Krone": Als bekennender Internet-Freak, Spaß beiseite, wie beurteilst du die aussöhnenden Worte von Hamilton Richtung Rosberg auf Twitter?
Lauda: Das ist eben die Jugend – sie kuscheln im Netz. Aber okay, im Namen des Mercedes-Teams begrüße ich diese Aktion sehr.
"Krone": Niki, letzte Frage: Michael Schumacher hat in Kanada siebenmal gewonnen. Über seinen Gesundheitszustand gab es schon lange keine Informationen mehr aus der Klinik. Wie geht es dir beim Gedanken an Schumi?
Lauda: Ich mache mir Sorgen.
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