Ausverkaufte Abende und Anerkennung weit über die Grenzen von Graz hinaus: Das Ballett der Oper Graz feiert eine Erfolgsproduktion nach der anderen. Was ist das Geheimnis der Kompanie? Ein Blick hinter die Kulissen.
„Die Leute, die sich drehen, müssen sich um ihr Leben drehen!“ Choreograf Giovanni Insaudo feilt an den Details seiner nächsten Produktion in Graz. Wie muss der Sprung in die Arme des Partners genau aussehen? Welche Geste wird größer, welche kleiner? Die Stimmung im Ballettsaal der Oper Graz ist gelassen.
Seit Ballettdirektor Dirk Elwert mit der Saison 2023/24 an die Oper kam, hat sich einiges verändert. Internationale Choreografen kommen nach Graz, um mit dem 18-köpfigen Ensemble zu arbeiten, der Fokus liegt auf zeitgenössischem Tanz eher als auf klassischem Ballett. Spätestens seit der Erfolgsproduktion „Follia!“ in der vergangenen Saison spricht die ganze Stadt über das Ballett. Die letzten Vorstellungen von „La Divina Comedia“ waren allesamt ausverkauft.
„Wir sind alle so unterschiedlich“
„Ich wollte unterschiedliche Stile erkunden“, sagt Tänzerin Savanna Haberland aus Berlin, die mit Elwert aus Chemnitz nach Graz kam. „Deswegen bin ich hier gerade sehr glücklich.“ Das Ensemble sei ein großartiges Team, schwärmt sie. „Wir sind alle so unterschiedlich, aber das macht es so speziell und einzigartig.“
„Es ist inspirierend, das zu beobachten und so zu arbeiten“, sagt auch ihre Kollegin Yuka Eda aus Japan. Das Publikum gibt den Tänzerinnen recht und nimmt die Veränderungen aufgeschlossen an: „Es gab so viele Zuschauer, die zwei- oder dreimal in die gleiche Produktion gekommen sind. Das zeigt und bedeutet uns viel“, sagt Haberland. „Und sie fragen immer, was als Nächstes kommt“, sagt Eda und lacht.
Tag für Tag Training, Proben und Vorstellungen
Der Alltag im Ballett gleicht jenem von Hochleistungssportlern. Um 10 Uhr startet das Training, fünfmal die Woche, dann wird Choreografie geprobt. Nebenbei gehen die Tänzer zur Physiotherapie und bauen mit Krafttraining Muskeln auf. „Man braucht eine hohe Leistungsfähigkeit für dieses Repertoire“, sagt Ballettmeister Joe Monaghan. Zweimal wöchentlich gehen die Proben bis zehn Uhr abends, dazu kommen die Vorstellungen. „In der vergangenen Woche waren es vier“, sagt Savanna Haberland. Ihr Ritual, um das alles zu schaffen? „Ich mache immer ein Nickerchen vor den Abendvorstellungen. Das machen wir alle.“
Die Welt des Balletts ist von harter Konkurrenz geprägt. Über 500 Bewerber aus aller Welt hatten sich beim letzten Vortanzen gemeldet, 30 wurden eingeladen, zwei schließlich genommen. „Neben einer guten Technik und einem klassischen Fundament suchen wir Tänzer mit Mut und Lust zum Experimentieren. Eine ausgebaute innere Welt, die Fähigkeit zur Imagination, zur Interpretation – das haben die Wenigsten“, sagt Monaghan.
„Aufregend und herausfordernd“
Was als Nächstes kommt, wird aktuell im Untergeschoß der Oper geprobt: „Modern Times“ heißt der Ballettabend von Katarzyna Kozielska, Anne Jung und Giovanni Insaudo, die sich mit der Schnelllebigkeit unserer Zeit beschäftigen. Drei Stücke an einem Abend – „das ist aufregend, aber auch herausfordernd“, sagt Haberland. Premiere ist am 20. Mai.
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