Druck vor Parteitag

SPÖ verliert bei allen Bevölkerungsgruppen

Innenpolitik
06.03.2026 06:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die SPÖ ist im Vorfeld des Bundesparteitags mit schlechten Umfragewerten konfrontiert. Seit 2022 verloren die Sozialdemokraten ein Drittel ihrer Wähler. Für wen diese nun stimmen, zeigen neue Umfragen.

Von den 500.000 abtrünnigen Anhängern würden nach den Sonntagsfragen des Meinungsforschungsinstituts OGM über die Hälfte nun für Grüne oder FPÖ stimmen. Auch NEOS, ÖVP und KPÖ könnten ehemalige Rot-Wähler überzeugen. Die SPÖ erfuhr Einbußen bei Land- und Stadtbevölkerung sowie bei Berufstätigen und Pensionisten.

SPÖ befindet sich im freien Fall
War die SPÖ vor vier Jahren in Sonntagsfragen noch mit Zustimmungswerten von 28 bis 30 Prozent und rund 1,37 Millionen Anhängern auf Platz eins gelegen, kommen die Sozialdemokraten mit Regierungsverantwortung in den Umfragen nur noch auf 17 bis 18 Prozent Unterstützung. Damit unterbieten die Roten noch einmal ihr historisch schlechtestes Nationalratswahlergebnis von 21,1 Prozent aus dem Jahr 2024.

Besonders hoch ist die Zahl jener ehemaligen SPÖ-Wähler, die im Februar laut OGM-Längsschnittanalysen für eine der beiden Oppositionsparteien gestimmt hätten. 155.000 Stimmen – knapp ein Drittel des sozialdemokratischen Schwunds – kassierten die Grünen demnach von der SPÖ ein. Auch die FPÖ könnte sich mit Zugewinnen von 120.000 ehemaligen SPÖ-Stimmen über rund ein Viertel des roten Verlusts freuen.

Das Balkendiagramm zeigt die Verluste der SPÖ in Umfragen seit 2022. Die SPÖ hatte 2022 einen Umfrage-Höhepunkt mit 1.370.000 Stimmen. 2026 werden rund 860.000 Stimmen weiterhin der SPÖ zugerechnet. Etwa 500.000 Stimmen gingen an andere Parteien verloren, vor allem an die Grünen mit 155.000, die FPÖ mit 120.000, die NEOS mit 80.000, die ÖVP mit 55.000, die KPÖ mit 50.000 und an Nichtwähler mit 40.000. Quelle: OGM.

An die nunmehrigen pinken und schwarzen Koalitionspartner verlor die SPÖ ebenfalls einige Unterstützerinnen und Unterstützer. Zu den NEOS liefen 80.000 Wahlberechtigte über, die Kanzlerpartei ÖVP heimste 55.000 Sympathisanten ein. Ein Zehntel entfiel auf die KPÖ, die im Gegensatz zu den anderen Parteien nicht im Parlament vertreten ist.

Welche Personen sich abwenden
Aus demografischer Sicht folgen die Verluste der SPÖ keinem klaren Muster: Die schwindende Unterstützung verteilt sich auf alle Bevölkerungsgruppen. Die SPÖ verlor unter Berufstätigen genauso wie unter Pensionisten mit einem Minus von 35 bzw. 33 Prozent. Auch die Unterschiede zwischen Land- und Stadtbevölkerung mit 37 bzw. 32 Prozent Schwund sowie zwischen Befragten ohne und mit Matura (35 bzw. 32 Prozent) hielten sich in Grenzen. Exakt gleich viele Männer wie Frauen kehrten der SPÖ mit jeweils 34 Prozent den Rücken.

Wenig überraschend wanderten Stadtbewohner genauso wie höher Gebildete vorrangig zu den Grünen ab. Die Freiheitlichen konnten vor allem Zugewinne aus dem ländlichen Raum, von Berufstätigen und niedriger Gebildeten verzeichnen. Den Zahlen zufolge gelang es der SPÖ unter der Führung von Andreas Babler nicht, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.

Als Vertreter des linken Parteiflügels gewann Babler 2023 zwar den parteiinternen Richtungsstreit, Debatten über die Ausrichtung der Partei ebbten seitdem aber nicht ab.

Regierende verlieren, Opposition gewinnt
Unter den drei Koalitionspartnern ist die SPÖ mit rückläufigen Umfragewerten in guter Gesellschaft. Nach dem aktuellen APA-Wahltrend, der Umfragen der letzten fünf Wochen berücksichtigt und nach Aktualität gewichtet, lag die SPÖ Ende Februar bei 17,4 Prozent und knapp vier Prozentpunkte unter dem Nationalratswahlergebnis von 2024. Noch einen stärkeren Rückgang als die SPÖ verzeichnete die ÖVP, die mit 21,8 Prozent in den Umfragen seit der Wahl 4,5 Prozentpunkte verlor.

Auch die regierenden NEOS büßten seit der Wahl ein und liegen mit 8,4 Prozent in den Umfragen mittlerweile hinter den Grünen, die bei 9,7 Prozent halten. Bei der Wahl waren die NEOS mit 9,1 Prozent noch vor der Öko-Partei (8,2) gelegen. Als einzige Partei deutlich zulegen konnte die Wahlgewinnerin FPÖ mit 35,7 Prozent Zustimmung in den Umfragen – ein Zuwachs von fast 7 Prozentpunkten gegenüber den 28,9 Prozent von 2024. Von 2,4 auf 3,5 Prozent steigern konnte sich auch die KPÖ, die damit aber den Einzug in den Nationalrat immer noch verfehlen würde.

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