Vor auf den Tag genau 60 Jahren trug sich in Österreich bundespolitisch eine Besonderheit zu: Der seit zwei Jahren als Bundeskanzler amtierende ehemalige Salzburger Landeshauptmann Josef Klaus eroberte für die Volkspartei die absolute Stimmenmehrheit bei der Nationalratswahl.
Nie davor und nie danach sollte sich ein Salzburger Politiker so auf großer Bühne inszenieren können wie der gebürtige Kärntner Klaus, dessen Juristenlaufbahn ihn 1948 nach Hallein führte. Der von 1949 bis ‘61 als Landeshauptmann aktive Klaus wurde danach Finanzminister unter Alfons Gorbach, ehe er diesen im Frühjahr 1964 als bisher einziger Bundeskanzler aus Salzburg in einer Koalition mit der SPÖ ablöste.
Sein Erfolg im Frühjahr ‘66 fußte auf mehreren Säulen: Zum einen zählte der 1910 geborene Sohn eines Bäckermeisters zu den „Reformern“, die sich betont nüchtern und sachlich gaben. Mit der alten Schule der „Politik bei einem Weinglas“ konnten viele Wähler wegen Korruptionsgeruchs nichts mehr anfangen.
Zudem half, dass die SPÖ eine Wahlempfehlung der KPÖ nicht zurückwies, weshalb eine mögliche linke Koalition für Verunsicherung sorgte. Das verarbeitete die ÖVP, der erstmals seit 1945 wieder die absolute Stimmenmehrheit erhielt und unter Klaus die erste demokratische Alleinregierung seit ‘34 stellen sollte, unter anderem in einem Wahlkampflied.
Michael Neureiter, von 2004 bis 2008 Zweiter Landtagspräsident für die ÖVP, erinnert sich an einen Wahlkampfauftritt von Klaus in Hallein. „Ich war damals 15 Jahre alt und auf dem Schöndorferplatz war ein großer Auflauf. Auch an den Wahlsong kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Neureiter. Das Lied „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ mit einem Seitenhieb auf SPÖ und KPÖ zeigt, dass auch vor 60 Jahren schon im Wahlkampf nicht immer die feine Klinge dominierte.
1970 war das Kabinett Klaus II vorbei, weil die Wahl gegen Bruno Kreisky verloren ging, der eine Minderheistregierung unter Duldung der FPÖ installierte. Klaus zog sich darauf zurück, veröffentlichte bereits 1971 ein Buch unter dem Titel „Macht und Ohnmacht in Österreich.“ Klaus verbrachte weite Teile seines Lebensabends in Italien, ehe er abschließend nach Wien zog. Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde der Dr.-Josef-Klaus-Platz im Salzburger Stadtteil Nonntal nach ihm benannt.
Nächstes Jubiläum folgt im Sommer
Ein weiteres Jubiläum folgt heuer im Sommer: Da jährt sich der Todestags des einzigen Salzburger Landeshauptmanns, der auch Kanzler wurde, zum 25. Mal. Klaus starb am 25. Juli, die Seelenmeese nach Beerdigung im August fiel am 11. September mit den Anschlägen aufs World Trade Center in New York zusammen.
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