Im Fall eines auf tragische Weise ums Leben gekommenen Ersthelfers nach einem Unfall auf der Pyhrnautobahn (A9) im Vorjahr wirft die Grazer Anklage einem Lkw-Fahrer Sekundenschlaf und zwei Pkw-Lenkern Unachtsamkeit vor. Daraus wurde eine schreckliche Kausalkette. Die Verteidiger sprechen von einem unglücklichen Ereignis.
Als der Unfall vergangenen Juli passierte, regnete es auf der A9 bei Seiersberg in Strömen, es blitzte und donnerte, um 4 Uhr früh war es zudem stockfinster. Der angeklagte Lkw-Fahrer (55) aus Bosnien kam kurz nach dem Plabutschtunnel Richtung Süden rechts von der Fahrbahn ab – „wegen Sekundenschlafs“, wie ihm der Staatsanwalt vorwirft.
Betonelemente als Auslöser für Folgeunfälle
Das Schwerfahrzeug schleudert gegen die Mittelleitwand und verschiebt die Betonelemente auf die Gegenfahrbahn. Und ab da nimmt das Unglück seinen schrecklichen Lauf. Denn ein Steirer (58), der Richtung Norden fährt, sieht die Betonteile zu spät und prallt dagegen. Sein Auto wird auf den Verzögerungsstreifen geschleudert. Dorthin, wo auch ein Lkw-Chauffeur gestoppt hatte, um zu helfen.
Das kann jedem einmal passieren, dass er zu schnell fährt. Aber in Ihrem Fall war es fatal.

Richter Erik Nauta
Bild: Jürgen Fuchs
Kurz darauf kracht eine Pflegerin (55) aus Slowenien ebenfalls in die verschobene Mittelleitwand – und ihr Mercedes wird genau gegen den Ersthelfer geschleudert. Der Niederösterreicher (43) verblutet an der Unfallstelle.
Lkw-Lenker will nicht eingeschlafen sein
Vor Gericht gilt es nun zu klären, wer alles fahrlässig seinen Tod verursacht hat. Bis auf den Lkw-Fahrer hatten alle ihre Geschwindigkeit der Witterung angepasst. „Ich gebe zu, dass ich zu schnell war“, gesteht der Bosnier Richter Erik Nauta. „Das kann jedem einmal passieren. Aber in Ihrem Fall war es fatal“, betont der Vorsitzende.
Er sei auch nicht eingeschlafen. „Ich war gar nicht müde. Da war Aquaplaning.“ Dem widerspricht aber das Gutachten. „Aus dem Fahrtenschreiber ergibt sich das auch nicht. Warum haben Sie die Geschwindigkeit nicht reduziert?“, fragt Nauta. „Ich hatte keine Kontrolle, konnte nicht lenken“, so der Angeklagte. Und: „Ich hatte Angst.“ Auch um die Ladung, die aus Joghurt bestand. „Das Joghurt ist vielleicht weniger wichtig, wenn man die Unfallfolgen betrachtet“, entgegnet der Richter.
„Kollisionswarner sprach auch nicht an“
Die Verteidiger der anderen beiden sprechen von einem „unglücklichem Ereignis, das keiner verhindern konnte“. Der 58-jährige Autolenker wurde selbst so schwer verletzt, dass er im Koma lag. Die Pflegerin, die vor Gericht mehrmals in Tränen ausbricht, beteuert, das Hindernis nicht gesehen zu haben. „Wie kann man das auch erkennen? Alles war grau in grau und nichts hat reflektiert“, sagt ihr Anwalt. „Der Kollisionswarner hat auch nicht angesprochen.“
Zur Erörterung des KFZ-Gutachtens musste vertagt werden.
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