Mögliche Bestechung durch das Emirat wollte Blatter nicht kommentieren: "Nein, nein, das habe ich nie gesagt." Allerdings stellte der Schweizer fest, dass es offenbar "politischen Druck" aus Frankreich und Deutschland gegeben habe. "Man weiß gut, dass große Firmen aus Frankreich und Deutschland in Katar arbeiten, aber sie arbeiten nicht nur für die WM. Die WM ist eine relativ kleine Angelegenheit für Katar."
Die Breitseiten Blatters sind aber offenkundig vor allem ein Wahlkampfmanöver gegen einen unliebsamen Konkurrenten um den FIFA-Präsidententhron: UEFA-Chef Michel Platini. Blatter bestätigte, dass er im Mai 2015 erneut kandidieren werde. "Ich habe nicht nur Lust, ich bin entschlossen weiterzumachen", sagte er. Platini hat sich als einziger Fußball-Funktionär offen zu seiner Katar-Unterstützung bekannt und gilt als einziger Konkurrent mit einer wenn auch kleinen Restchance, Blatters Wiederwahl zu verhindern.
In der Kritik steht Platini auch wegen seines Treffens mit dem damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar kurz vor der Abstimmung zur WM-Vergabe. Sollte die Katar-WM scheitern, wäre Platini als Funktionär massiv beschädigt und im Amt des FIFA-Chefs undenkbar. Blatter hat sich zu seinem Wahlverhalten im Gegensatz zu Platini nie geäußert.
Platinis Kandidatur noch nicht offiziell
Mit Ausblick auf die Präsidentschaftswahlen 2015 und möglicher Konkurrenz stellte Blatter fest: "Der Marsch zum Thron ist noch nicht eröffnet. Es gibt viele Menschen, die diesen Posten gerne einnehmen würden." Aber: "Es ist nicht einfach, eine Organisation mit 300 Millionen Mitgliedern zu führen." Platini hat seine Kandidatur noch nicht verkündet. Der Franzose will offenbar noch das Stimmungsbild beim FIFA-Kongress Anfang Juni in Sao Paulo abwarten.
Sollte Blatter dort von den Delegierten aus 209 Mitgliedsländern gefeiert werden, ist ein Verzicht des UEFA-Chefs wahrscheinlich. Dem bisher einzigen offiziellen Kandidaten - dem früheren Blatter-Vertrauten Jerome Champagne - werden keine realistischen Chancen gegen den Amtsinhaber eingeräumt.
Angesichts vieler gegenseitig abgefeuerter verbaler Giftpfeile in den vergangenen Monaten klingen Blatters Bemerkungen zu Platinis "wunderbarer Karriere" in dem RTS-Interview fast schon heuchlerisch. Sein früherer "Zögling" habe ihn 1998 einst sogar als Präsident vorgeschlagen, erinnerte der Schweizer an die Zeiten der engen Kooperation. Auf die Frage, ob Platini einen "Vatermord" begehen werde, antwortete Blatter mit einem Schmunzeln. "Das glaube ich nicht. Er hat einen guten Charakter. Ich kenne seine Eltern, seine Familie."
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.