klagenfurter ensemble:

„kunstschmutzen“ oder des Sprachkörpers Beseelung

Kärnten
31.01.2026 22:00

Mit einem Jahr Verspätung feiert das klagenfurter ensemble (ke) den 100. Geburtstag von Ernst Jandl mit der Eigenproduktion „kunstschmutzen“ von Rüdiger Hentzschel, der Regie führt und für seine Jandl-Textcollage auch als Schauspieler auf der Bühne steht. Einfach großartig!

Seine radikale Zerlegung von Sprache in Klang und Körper, der politische Anspruch voller Widerstand und Kriegsentblößung sowie die performative Kraft, die Jandls experimentellem, lautpoetischem Schaffen innewohnt – damit hat sich Rüdiger Hentzschel schon 2011 mit „scheissen tag“ beschäftigt.

Nun wuchtet der Regisseur und Schauspieler mit „kunstschmutzen“ eine neue, abermals brillante „Jandl-Revue“ ins ke-Theater Halle 11, um ins Jandlversum einzutauchen und in eine biografisch unterfütterte Menschwerdung von Sprache im weitesten Sinn des Wortes und im tiefstem Abgrund des Schmerzes.

Denn schreiender Humor und brüllender Ernst sind beim „Depressionshumoristen“ aus Wien so untrennbar miteinander verwoben wie die vier virtuosen Jandls (Clara Diemling, Johanna Hainz, Teresa Renner, Katharina Stadtmann), die im stereotypen Anzug mit stereotyper Brille so mühelos Dichtung mit Person, (Laut)Sprache mit Emotion und Zeitgeschehen mit Werk verweben.

Schonungsloser Chronist
Ganz nahe kommt Hentzschel damit dem Avantgardisten, der das Lachen im Hals stecken bleiben lässt und bei aller Experimentierfreude doch eine konkrete Biografie geschrieben hat, die beim ke einen großen Lebensbogen an Eckpfeilern wie seiner Jugend im Krieg oder Lebensmensch Friederike Mayröcker festmacht und Jandl als präzisen Beobachter seiner Zeit ebenso gerecht wird wie als schonungslosen Chronisten des eigenen, stinkenden Verfalls, für den Hentzschel alle Wut, allen Ekel und allen Überdruss zu herzzerreißender Schauspielkunst bündelt.

Beeindruckend: Das ist diese Sprachkörper-Beseelung auf vielen Ebenen. Von Hentzschels Regie-Kunstgriff, Banalitäten des Alltags mit dem Konjunktiv ins Irreale zu entrücken und als Wunschvorstellung zu konterkarieren über die feinnervige Live-Klangkulisse der Talltones, die sich auch in allen Schräglagen und Dissonanzen mit Jandl spielen bis zum „Muppets“-Handpuppen-Paar Jandl/Mayröcker, das unantastbar kommentierend über dem Geschehen thront. Ein Muss!

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