03.05.2014 13:48 |

In Slawjansk

Ukraine: Separatisten ließen OSZE-Beobachter frei

Nach über einer Woche in der Gewalt von prorussischen Separatisten sind am Samstag in der ostukrainischen Stadt Slawjansk die OSZE-Beobachter sowie vier ukrainische Offiziere freigelassen worden. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Russland mit massiven Wirtschaftsanktionen gedroht, sollten die Männer nicht freikommen. In der Nacht auf Samstag hatten die Aussschreitungen auch den Süden der Ukraine erreicht: In Odessa waren beim Brand eines Gewerkschaftsgebäudes 37 Menschen umgekommen.

Die seit gut einer Woche als Geiseln festgesetzten Militärbeobachter, vier Deutsche, ein Däne, ein Pole und ein Tscheche, sind wieder frei. Der Sprecher der Gruppe, der deutsche Bundeswehroberst Axel Schneider, sagte in Slawjansk einem Reporter der "Bild": "Wir sind froh, dass wir endlich draußen sind. Uns geht es den Umständen entsprechend okay. Wir haben die Feuergefechte der letzten Tage direkt mitbekommen, das möchte ich keinem zumuten."

Männer an Generalsekretär des Europarats übergeben
Am frühen Nachmittag wurden die Militärbeobachter dann an einem Kontrollposten bei Slawjansk dem Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, übergeben. Jagland war mit dem russischen Sondergesandten Wladimir Lukin in einer gemeinsamen "Menschenrechtsmission" in das Krisengebiet gereist. Anschließend ist die Weiterfahrt der Gruppe ins gut 90 Kilometer entfernte Donezk geplant. Nach dpa-Informationen sollen die Beobachter dann zügig nach Berlin ausgeflogen werden.

Separatisten-Anführer: "Sie sind meine Gäste"
Neben acht europäischen Beobachtern, von denen ein Schwede, der an Diabetes leidet, bereits in der vergangenen Woche freigelassen worden war, hatten die Milizen unter der Führung des selbsternannten Bürgermeisters von Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, auch vier ukrainische Offiziere gefangen gehalten. Die Gruppe war in der Vorwoche an einem Kontrollposten nahe Slawjansk festgehalten worden. Die prorussischen Separatisten warfen ihnen Spionageaktivitäten vor.

37 Tote bei Brand in Odessa
Unterdessen spitzt sich die Lage in der Ukraine weiter zu. Nachdem der Süden des Landes bislang kaum von den Ausschreitungen betroffen war, weitet sich der Konflikt zwischen prorussischen Seperatisten und der Staatsführung in Kiew jetzt auch bis ans Schwarze Meer aus. In der Nacht auf Samstag kam es in der Hafenstadt Odessa zu Ausschreitungen, Seperatisten und Kiew-treue lieferten sich Straßenschlachten. Dabei wurde ein Gewerkschaftsgebäude in Brand gesteckt. Jüngsten Meldungen zufolge starben 37 Menschen in den Flammen oder weil sie versuchten, aus dem brennenden Haus zu springen. Mindestens 200 Menschen wurden verletzt.

Die Polizei sprach von krimineller Brandstiftung, im Laufe der Nacht wurden 130 Personen festgenommen. Wer das Feuer gelegt hatte, ist allerdings noch unklar. Die Behörden der Stadt verhängten eine dreitägige Trauer. Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko reiste in die Hafenstadt, um sich ein Bild von der Lage zu machen, wie ihre Partei mitteilte.

"Kiew verantwortlich für Tragödie von Odessa"
Russland machte die prowestliche Führung in Kiew sowie ukrainische Nationalisten für die Eskalation verantwortlich. Die Ereignisse seien auf die Unverantwortlichkeit Kiews zurückzuführen, zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am frühen Samstagmorgen aus einer Mitteilung des Ministeriums. Die "Tragödie von Odessa" sei ein weiterer Beleg für "Kiews kriminelles Vertrauen auf Gewalt und Einschüchterung", hieß es in der Aussendung weiter. Das Außenministerium in Moskau forderte von den Behörden des Nachbarlandes "unverzügliche Auskunft" darüber, ob unter den Opfern auch Russen seien.

Die US-Regierung verurteilte die Gewalt in Odessa als "unannehmbar". In einer Erklärung des US-Außenministeriums wurden zugleich die Ukraine und Russland aufgefordert, gemeinsam "Ruhe, Gesetz und Ordnung" wiederherzustellen. "Die Gewalt und das Chaos, die zu so vielen sinnlosen Toten und Verletzten geführt haben, sind inakzeptabel", erklärte die stellvertretende Außenamtssprecherin Marie Harf.

Odessa ist strategisch wichtige Stadt
Die Millionenstadt Odessa liegt an einer strategisch wichtigen Position im Südwesten der Ukraine. Russische Truppen könnten von dort aus schnell in die von der Republik Moldau abtrünnige Region Transnistrien vorstoßen. Das überwiegend von russischsprachigen Menschen bewohnte Odessa liegt unweit der Krim-Halbinsel, deren umstrittener Anschluss an Russland im März die Krise weiter eskalieren ließ.

"Wir werden nicht nachlassen"
Der "Antiterroreinsatz" der ukrainischen Armee in der Ostukraine dauert derweil an. Innenminister Arsen Awakow zufolge verstärkten die Einheiten eine Offensive in Kramatorsk. Dabei hätten sie einen Fernsehturm unter ihre Kontrolle gebracht. "Wir werden nicht nachlassen", fügte er hinzu. Zu möglichen Todesopfern oder Verletzten machte er keine Angaben. Nach Schusswechseln seien mehrere Menschen in Krankenhäuser gebracht worden, berichtete das russische Fernsehen.

Der kommissarische Verteidigungsminister Michail Kowal erklärte, die moskautreue "Volksmiliz" habe Verhandlungen angeboten. Kiew sei aber nur unter Bedingungen bereit zu Gesprächen. Diese lauteten: "Vollständige Einstellung der terroristischen Handlungen und Auslieferung aller Saboteure, die in schwere Verbrechen verwickelt sind." Gefechte wurden auch aus dem Dorf Andrejewka bei Slawjansk gemeldet. "Die Situation ist fürchterlich", sagte Kowals Berater Juri Powch. Es gebe Verluste.

Westen droht mit weiteren Sanktionen
Der Westen reagierte auf die anhaltende Gewalt mit weiteren Sanktionsdrohungen. In Washington forderte Obama nach einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, Russland müsse seinen Einfluss geltend machen und militärische Gruppen zur Aufgabe bewegen. Die für den 25. Mai geplante Wahl dürfe nicht gestört werden, sonst drohten weitergehende Sanktionen für ganze Wirtschaftszweige, so Obama.

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