Handys beschlagnahmt

Spenderherz erfroren: Ärzte im Fokus der Ermittler

Ausland
22.02.2026 11:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Auf Hochtouren laufen die Ermittlungen im Fall des zweijährigen Domenico aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Samstag starb. Im Fokus der Erhebungen stehen Ärzte und medizinisches Personal des neapolitanischen Krankenhauses „Monaldi“. Am Samstag wurden die Mobiltelefone von sechs Beschuldigten beschlagnahmt.

Nach dem Tod des kleinen Patienten wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Ermittlungen der auf Arbeits- und Berufsdelikte spezialisierten Abteilung der Staatsanwaltschaft betreffen nach Angaben der Behörden auch das medizinische Personal in Bozen. Dieses hatte am 23. Dezember im Krankenhaus einem verstorbenen Buben das Herz für den kleinen Patienten aus Neapel entnommen.

Falsche Kühlung: Herz erfroren
Das Spenderherz wurde beim Transport aus Bozen nach Neapel jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: etwa 80 Grad minus statt vier Grad plus. Dadurch sei es „buchstäblich erfroren“, hieß es.

ECMO statt „Berliner Herz“
Weil die Ärzte dem Buben jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz – eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist – kann man deutlich länger überleben.

Kommunikation im Fokus der Ermittlungen
Die Ermittler wollen insbesondere die Kommunikation innerhalb des Transplantationsteams seit dem 23. Dezember rekonstruieren. Die sichergestellten Mobiltelefone sollen ausgewertet werden, um Absprachen und Abläufe nachzuvollziehen.

Kühlbox beschlagnahmt
Im Fokus steht unter anderem eine Kühlbox älterer Bauart, mit der das Herz transportiert worden war. Das Behältnis war bereits zuvor beschlagnahmt worden. Zudem prüfen die Behörden, ob moderne, temperaturgesteuerte Transportboxen zur Verfügung standen und ob die geltenden Richtlinien des nationalen Transplantationszentrums eingehalten wurden.

Trockeneis benutzt
Ein weiterer zentraler Punkt der Ermittlungen ist der Einsatz von Trockeneis. Dabei handelt es sich um Kohlendioxid in fester Form mit einer Temperatur von minus 79 Grad Celsius. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte es unmittelbar nach der Organentnahme in Bozen anstelle von herkömmlichem Eis in den Transportbehälter gelegt worden sein. In dieser Phase sollen mehrere Teams laut Medien gleichzeitig im Operationssaal tätig gewesen sein, darunter mutmaßlich auch eine österreichische Mannschaft, die weitere Organe entnahm.

Obduktion, Herz wird untersucht
Die Staatsanwaltschaft ließ am Samstag die Leiche des Kindes sicherstellen. Für Anfang nächster Woche ist die Einsetzung eines Gutachtergremiums geplant, das die Obduktion sowie technische Untersuchungen vornehmen soll. Dabei soll insbesondere das beim Transport beschädigte Herz untersucht werden.

Unter den Beschuldigten in Neapel sind nach italienischen Medienberichten die Chirurgin, die das Team für die Organentnahme leitete, sowie der Herzchirurg, der die Transplantation in Neapel durchführte. Seine Verteidiger erklärten, ihr Mandant habe „alles fachlich Gebotene und menschlich Mögliche“ getan, um das Leben des Kindes zu retten.

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