01.05.2014 14:20 |

Tag der Arbeit

1. Mai mit Randalen, Streiks und Patriotismus

Auf unterschiedliche Weise ist im Ausland der 1. Mai begangen worden: In Griechenland war der Tag durch Streiks geprägt. In Moskau zog erstmals seit dem Untergang der Sowjetunion wieder eine Menge über den Roten Platz. In Istanbul verhinderte die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas eine Demonstration auf dem Taksim-Platz. Bei den Krawallen wurden nach Angaben von regierungskritischen Anwälten 50 Demonstranten verletzt und rund 170 weitere festgenommen.

Tausende Polizisten waren in der türkischen Metropole im Einsatz. In der Umgebung des Taksim-Platzes und in mehreren Vierteln kam es zu schweren Zusammenstößen. Demonstranten errichteten Barrikaden und warfen mit Pflastersteinen. Nach Angaben der Polizei wurden Sicherheitskräfte auch mit Molotowcocktails und Schleudern angegriffen.

Die Behörden haben Demonstrationen anlässlich des 1. Mais in der Umgebung des zentralen Platzes untersagt. Gewerkschaften, Parteien, linke Gruppen und andere Regierungskritiker hatten dazu aufgerufen, trotzdem auf den Taksim zu kommen. Laut Medienberichten waren rund 40.000 Polizisten in Istanbul im Einsatz, knapp die Hälfte von ihnen rund um den Platz.

Moskau: "Ich bin stolz auf mein Land"
In Moskau beteiligten sich mehr als 100.000 Menschen an der Parade der Gewerkschaften zum 1. Mai auf dem Roten Platz, direkt am russischen Machtzentrum, dem Kreml. Die Versammlung galt auch als Zeichen für einen wiedererstarkenden Patriotismus nach dem umstrittenen Anschlusses der Halbinsel Krim in der Ukraine-Krise. Die Demonstranten trugen neben zahlreichen russischen Flaggen und Luftballons Plakate mit Aufschriften wie "Ich bin stolz auf mein Land" oder "Putin hat recht". Angeführt wurde der Marsch, der erstmals seit 1991 wieder über den symbolträchtigen Platz vor dem russischen Regierungssitz verlief, vom Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin.

Mehrere Transparente und Redner feierten die international kritisierte Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im März. "Ein Wind der Freiheit weht über der Krim", rief ein Redner in Militäruniform vom Podium. In ganz Russland beteiligten sich etwa zwei Millionen Menschen an den Mai-Feiern, wie Gewerkschaftsvertreter Michail Schmakow am Donnerstag der Agentur Interfax sagte.

Streiks in Griechenland
In Griechenland gab es neue Proteste der Gewerkschaften gegen die harte Sparpolitik und hohe Arbeitslosigkeit. In Athen legten die Busfahrer für drei Stunden ihre Arbeit nieder. Betroffen war auch der Fähr- und Bahnverkehr. Aus Piräus lief in der Früh keine Fähre aus, wie die Seeleute-Gewerkschaft PNO mitteilte. Auch Züge fuhren nicht. In Griechenland haben 27 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung keinen Job.

Botschaft zum 1. Mai vom Papst
Papst Franziskus erinnerte zum 1. Mai Politiker an ihre soziale Verantwortung für Arbeitnehmer. "Ich bitte die politischen Verantwortungsträger, zwei Dinge nicht zu vergessen: die Würde des Menschen und das Gemeinwohl", schrieb der Papst am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Kritik der Gewerkschaft in Deutschland
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, kritisierte auf der Hauptkundgebung zum 1. Mai in Deutschland die Sparpolitik und die Sozialkürzungen in Europa und forderte einen Kurswechsel: "Wenn man die Krise in Europa wirklich bekämpfen will, muss man dafür Milliarden bereitstellen für Investitionen in die Infrastruktur, die Erneuerung der industriellen Basis, eine echte Energiewende und den Ausbau des Sozialstaates." Scharfe Kritik übte er an der seiner Ansicht nach weiterhin völlig unzureichenden Regulierung der Finanzmärkte.

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