BirdLife-Zählung

33.000 Augenpaare für unsere zart-fedrigen Vögel

Klima
23.01.2026 16:00

Eine Stunde, die hängen bleibt. Tausende Menschen blickten im Rahmen der BirdLife-Vogelzählung in Gärten, Parks und Höfe – Tausende Hobbyornithologen entdeckten dabei, wie verletzlich unsere Vogelwelt geworden ist.

Es ist eine dieser stillen Erfolgsgeschichten, die kaum Lärm machen – und doch viel aussagen. Die „Stunde der Wintervögel“ von BirdLife Österreich hat heuer alle Rekorde gebrochen. Im 17. Jahr des größten heimischen Citizen-Science-Projekts zählten über 33.000 Naturbegeisterte eine Stunde lang die gefiederten Besucher vor ihren Fenstern. Ein Plus von fast einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. 733.671 Vögel, gemeldet von 25.256 Zählorten – Österreich schaute hin. Und hörte zu.

Die Kohlmeise bleibt Volksliebling
An neun von zehn Zählorten flatterte sie vorbei: Die Kohlmeise ist erneut Österreichs häufigster Wintervogel im Siedlungsraum. Dahinter folgen der Haussperling und der Feldsperling – die Top 3 bleiben unverändert. Im Schnitt wurden 29 Vögel pro Garten gezählt. Eine Zahl, die auf den ersten Blick beruhigt – und im zweiten Moment nachdenklich macht.

Weniger Leben im Garten
Denn der Langzeitblick tut weh. „Während in den ersten Jahren noch rund 40 Vögel pro Zählort beobachtet wurden, sind es heute nur mehr etwa 30“, sagt Evelyn Hofer, Projektleiterin bei BirdLife Österreich.

Die Bestände der Amsel erholen sich wieder.
Die Bestände der Amsel erholen sich wieder.(Bild: BirdLife/ Lukas Grabher)

Die Kurve zeigt nach unten. Langsam, aber stetig. Besonders Siedlungsvögel wie Sperlinge, Kohl- und Blaumeisen verlieren Boden. Der Grund liegt direkt vor unserer Haustür: verdichtete Bebauung, sterile Grünflächen, fehlende Hecken und alte Bäume. Oder, wie Hofer es auf den Punkt bringt: „Je weniger Natur wir zulassen, desto weniger Vögel bleiben.“

Der Norden blieb heuer still
Auffällig war heuer das Ausbleiben der Wintergäste aus dem Norden Europas. Bergfink, Kernbeißer oder Erlenzeisig wurden deutlich seltener gemeldet. Warum? „Der Einflug hängt von vielen Faktoren ab – vom Bruterfolg im Norden bis zum Nahrungsangebot bei uns“, erklärt Hofer. Sind die Bedingungen hier schlecht, ziehen die Vögel weiter nach Süden. Manchmal ist ihr Fernbleiben ein gutes Zeichen für den Norden – manchmal ein schlechtes für uns.

Stieglitz trotzt dem Trend – noch
Der Stieglitz zeigt ein interessantes Bild: kurzfristig rückläufig, langfristig stabil. Als einziger Finkenvogel ohne negativen Wintertrend. Mildere Winter haben ihn sesshafter gemacht – der heuer strengere Frost dürfte ihn wieder Richtung Süden gedrängt haben.

Sorgenkind Grünling
Besonders dramatisch bleibt die Lage beim Grünling. Eine Krankheit hat seine Bestände einbrechen lassen. Doch selbst dort, wo er sich erholen könnte, fehlen oft die Grundlagen: dichte Hecken, Bäume, Blührasen mit Löwenzahn und Wildblumen. „Ohne Lebensraum keine Rückkehr“, sagt Hofer – und meint damit nicht nur den Grünling.

Eine Seuche hat die Bestände des Grünlings einbrechen lassen.
Eine Seuche hat die Bestände des Grünlings einbrechen lassen.(Bild: Benny Trapp)

Hoffnung in Schwarz
Eine leise gute Nachricht kommt von der Amsel. Nach schweren Einbrüchen 2018 und 2019 wird sie in den östlichen Bundesländern und in Vorarlberg seit drei Jahren wieder häufiger beobachtet. Ein Zeichen, dass sich Natur erholen kann – wenn man sie lässt.

Die Stunde zählt
Die „Stunde der Wintervögel“ ist mehr als eine Zählung. Sie ist ein Spiegel. Und eine Einladung, genauer hinzusehen. 33.000 Menschen haben das getan. Jetzt liegt es an uns allen, dafür zu sorgen, dass es auch in Zukunft noch genug zu zählen gibt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt