Prozessauftakt in der Spionagecausa am Wiener Landesgericht. Der Staatsanwalt sieht Landesverrat durch Ex-BVT-Chefinspektor Egisto Ott. Geldsorgen und berufliche Frustration als Motiv?
Bekanntheit hat Pflichtverteidigerin Anna Mair mit Terrorprozessen erlangt. Sie vertritt etwa jenen 15-Jährigen, der ein IS-Attentat am Wiener Westbahnhof geplant haben soll. Kurz vor Weihnachten wurde ihrem Kanzleipartner Michael Ofner und ihr dann der frühere Chefinspektor des mittlerweile aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Egisto Ott, zugewiesen. Eine Mammutaufgabe, die sie so kommentiert: „Ich habe die Feiertage mit Akten-Studium verbracht.“
Jahrelang Abfragen ohne dienstlichen Auftrag
Ihr 63-jähriger Mandant muss sich seit Donnerstag im größten heimischen Spionageprozess seit Jahrzehnten brisanten Vorwürfen stellen. Ott werden unter anderem geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit zugunsten Russlands und Amtsmissbrauch zur Last gelegt. Wie es laut Staatsanwalt dazu gekommen sein soll?
„Egisto Ott ist kein Russland-Romantiker“, stellt er fest, „vielmehr war er nach seiner Absetzung als Verbindungsbeamter im Ausland extrem frustriert und sein Ego war verletzt.“ Zudem sei der suspendierte Polizist pleite gewesen, musste um sein Anwesen in Kärnten fürchten.
„Der russische Geheimdienst zahlt sehr gut“, sagt der Ankläger und präsentiert eine Vielzahl von Abfragen, die Ott ab 2015 getätigt hat – ohne dienstlichen Auftrag habe er Aufenthaltsorte, Kfz-Kennzeichen und Reisebewegungen von Personen, an denen Russland ein Interesse hatte, erhoben.
Auch Marsalek als Auftraggeber
Laut StA Wien war auch der flüchtige Wirecard-Manager und Spion Jan Marsalek sein Auftraggeber. Dessen Agenten soll Ott auch Diensthandys eines ehemaligen Kabinettschefs im Innenministerium und zweier früherer Kabinettsmitarbeiter, die bei einem Bootsausflug ins Wasser gefallen waren, übergeben haben. Gegen 50.000 Euro in bar.
Ott bekennt sich am ersten Prozesstag „nicht schuldig“. Laut Mair habe er die Abfragen im Rahmen der geheimen „Operation Doktor“ in dienstlicher Kooperation als Amtshilfe für einen westlichen Nachrichtendienst durchgeführt. Das Urteil der Geschworenen soll erst im März fallen.
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