Kleiner Lichtblick

Vermisster „Boro“ nach Zugunglück wiedergefunden

Ausland
22.01.2026 18:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Vier Tage nach dem verheerenden Zugsunglück mit bestätigten 45 Todesopfern bewegt eine „Familienzusammenführung“ der besonderen Art viele Menschen in Spanien. Ein Hund, der mit seinem Frauchen in einem der beiden Unglückszüge unterwegs war und seit dem Unfall als vermisst galt, wurde nach tagelanger Suche, die sehr viele in Atem gehalten hatte, wohlauf gefunden.

„Boro“, eine Mischung aus Schnauzer und spanischem Wasserhund, sei am Donnerstag nahe der Unfallstelle in Adamuz in der Provinz Córdoba aufgegriffen worden, teilte die Tierschutzpartei Pacma mit. Der Hund wurde „inzwischen wieder mit seiner Familie vereint“, hieß es in der Mitteilung. Auf Videos ist zu sehen, wie Ana García den Hund glücklich umarmt, streichelt und küsst.

Die 26-Jährige war mit ihrer schwangeren Schwester Raquel (32), der Besitzerin des Hundes, und deren Partner im Hochgeschwindigkeitszug von Málaga nach Madrid unterwegs, der am Sonntag entgleiste, in das benachbarte Gleis geriet und einen entgegenkommenden Zug aus der Strecke warf.

Anas Schwester Raquel liegt noch auf der Intensivstation des Krankenhauses Reina Sofía in Córdoba, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Nach Angaben von Ana García hatte sie sich beim Zusammenstoß unter anderem am Kopf schwer verletzt, als sie wohl versucht habe, ihren Hund zu schützen. Nach dem Aufprall sei sie bewusstlos unter den Trümmern liegen geblieben. 

Freiwillige Helfer angereist
Das Schicksal von „Boro“ hatte in Spanien große Anteilnahme ausgelöst. Das Tier war fast vier Tage lang im Mittelgebirge der Sierra Morena bei nächtlichen Minustemperaturen und zum Teil starkem Regen verloren. „An der Suche beteiligten sich Einsatzkräfte verschiedener Sicherheitsbehörden sowie Vertreter von Tierschutzorganisationen und der Tierschutzpartei Pacma. Zudem halfen freiwillige Helfer, die teils sogar aus anderen Regionen Spaniens angereist waren“, berichtete der Fernsehsender RTVE.

Auch der spanische Verkehrsminister freute sich, dass „Boro“ wieder gefunden wurde:

Es war Ana selbst, die am Montag – mit noch deutlich sichtbaren Verletzungen aus dem Unglück – vor laufenden Kameras verzweifelt um Hilfe bei der Suche nach dem Hund gebeten hatte. Am Donnerstag zeigte sie sich nun erneut in den Medien: sichtlich bewegt, lächelnd, „Boro“ im Arm. Dem Hund gehe es gut, sagte sie. Um sie herum herrschte viel Freude bei Helfern und Journalisten. 

Sogar die spanische Regierung reagierte. Auch wenn „die Menschen das Wichtigste“ seien, spielten auch Tiere eine „wertvolle Rolle“ im Alltag einer Familie, schrieb Verkehrsminister Óscar Puente auf X. Pacma postete unterdessen: „Die Tragödie des Unfalls endet mit einem kleinen Lichtblick.“

Opferzahl nach oben korrigiert
Unterdessen hat die andalusische Regionalregierung die Zahl der Todesopfer nach oben korrigiert. Demnach kamen 45 Menschen ums Leben. Die Einsatzkräfte hätten in den Trümmern eines Waggons an der Unfallstelle im Laufe des Tages zwei weitere Leichen geborgen. Es handle sich um zwei Männer, hieß es.

Es wurde vermutet, dass es sich um die beiden Personen handelt, die nach dem Unfall vom Sonntagabend noch als vermisst galten. Die Autopsie und die Identifizierung der beiden Leichen am Gerichtsmedizinischen Institut in Córdoba steht jedoch noch an. Die Suche in den Trümmern werde fortgesetzt, bis sicher sei, dass dort keine Opfer mehr liegen, hieß es.

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