Olympia-Silber 2006

„Zwischen den beiden Läufen habe ich geschlafen“

Salzburg
22.01.2026 10:00

Im nächsten Teil der „Krone“-Serie zu Salzburgs Olympiahelden blickt Reinfried Herbst auf drei bestimmte Wochen Anfang 2006 zurück, die sein Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Was ein Mittagsschlaferl in Hermann Maiers Zimmer mit der Silbermedaille des Ex-Slalomspezialisten zu tun hat. 

„Irgendeiner“, das war Reinfried Herbst zu Beginn der Saison 2005/06. Ein Freigeist, ohne Kaderplatz. „Aber jedes Mal, wenn ich geschnitten wurde, habe ich das in Stärke umgemünzt“, erinnert sich der Unkener. Unter Privattrainer Dietmar Thöni stellte „Herbstl“ Woche für Woche neue beste Weltcup-Ergebnisse auf. Olympia in Turin war am Ende der Nahrungskette dennoch lange kein Thema. Ehe er im Kitzbühel-Slalom Zweiter und damit bester Österreicher wurde. Der Startschuss zu den vielleicht verrücktesten drei Wochen im Leben des Slalomspezialisten. An deren Ende Silber stand.

Platz zwei in Kitzbühel 2006 katapultierte Herbst (li.) weit nach vorne – und zu den Olympischen ...
Platz zwei in Kitzbühel 2006 katapultierte Herbst (li.) weit nach vorne – und zu den Olympischen Spielen in Italien.(Bild: Christof Birbaumer)

Um im Rhythmus zu bleiben, fuhr Herbst zunächst noch FIS-Rennen. „Andi Omminger hat mich mit meinen Ski herpaniert. Das war ein Tritt in den Allerwertesten, hat aber gut getan“, erinnert sich der 47-Jährige. Dazu meldete sich kurz vor „Kitz“ ein Freund mit einem Haus-Angebot in Wals. Dabei hatte der Skifahrer nur eine Wohnung in Salzburg gesucht, um das Sportzentrum Rif besser zu erreichen. 

Reinfried Herbst blickte im Gespräch mit der „Krone“ zurück.
Reinfried Herbst blickte im Gespräch mit der „Krone“ zurück.(Bild: Andreas Tröster)

Hermann Maiers Zimmer als gutes Omen
Ein Haus war demnach ausgeschlossen: „Ich habe eigentlich kein Geld dafür gehabt. Mit dem zweiten Platz und der Prämie meiner Skifirma war dann aber plötzlich ein Kredit möglich.“ Am Tag vor der Anreise nach Italien unterschrieb er den Vertrag. „Bei der Bank habe ich den olympischen Riesentorlauf im Fernsehen angeschaut“, erzählt der jetzige Unternehmer. Hermann Maier holte Bronze. In Italien angekommen, bezog er just das Zimmer des „Herminators“. „Ein gutes Omen“, dachte sich der spätere Slalomkugel-Sieger, der sich noch genau an den Raum des Flachauers erinnert.

Damit das Zimmer nicht so kahl wirkt, hatte ÖSV-Pressemann Robert Brunner ein paar Pflanzen und einen kleinen Baum hineingestellt. Dazu hing das eine oder andere Poster an der Wand. „Es lief alles super. Ich war voll in einem positiven Fluss drinnen“, sagte Maiers Ex-Teamkollege Herbst. Und der „Flow“ ging auch im Slalom am letzten Tag der Spiele munter weiter.  

Neid ist für den Ex-Profi ein Fremdwort
Nach dem ersten Lauf war er Vierter. „Alle sind schon durchgedreht“, erinnert sich Herbst. Statt zum Videostudium begab er sich aber ins Zimmer, stellte den Wecker – und legte sich ins Bett. „Ich habe zwischen den Durchgängen seelenruhig geschlafen“, blickte er zurück. Von Nervosität keine Spur.

Legendär: Der österreichische Dreifachsieg in Italien durch Benjamin Raich (M.), Reinfried ...
Legendär: Der österreichische Dreifachsieg in Italien durch Benjamin Raich (M.), Reinfried Herbst (li.) und Rainer Schönfelder.(Bild: Christof Birbaumer)

Nur bei Raichs Siegesfahrt konnte er nicht mehr wegschauen. Am Ende blieb Platz zwei vor Rainer Schönfelder. Der legendäre österreichische Dreifachtriumph war perfekt. Um Gold sah er sich aber nie leid. „Ich habe nie Neid gehabt“, nannte der Salzburger sein Credo. Binnen drei Wochen war Herbst an die Weltspitze gerast. Und war plötzlich viel, aber sicher nicht „irgendeiner“. Übrigens: Den Baum aus Hermann Maiers Zimmer nahm sich der Olympia-Silberne als Andenken mit. Im Gegensatz zu den Erinnerungen an die verrücktesten Wochen seines Lebens hielt die Pflanze aber (leider) kein Leben lang. 

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