Gewalt in der Familie ist ein Problem, über das vor allem Kinder nicht gerne sprechen. Die Stadt Graz versucht dem seit einigen Jahren mit der Aktion „Mutmacher“ entgegenzuwirken. Dabei werden Stofftiere an Drittklässler verteilt, die ihnen Mut machen sollen, Probleme anzusprechen! Auch heuer gibt es die Aktion wieder.
Sie sind zwar nur kleine Stofftiere, aber ihre Wirkung kann sehr groß sein: Mutmacher nenne sich die kleinen Stofftiere, die die Stadt Graz seit 2019 in Schulen verteilt. Warum? Und was sollen Sie bewirken? Die „Krone“ hat nachgefragt:
Was ist ein Mutmacher?
Es handelt sich dabei um kleine, wuschelige Stofftiere, die von sozialen Einrichtungen (tag.werk, Jugend am Werk und heidenspass) produziert und Jahr für Jahr an Schüler der dritten Volksschulklassen in Graz verteilt werden. „Sie sollen Kinder ermutigen, über erlebte Gewalt zu sprechen und sind auch Maskottchen für eine Bewusstseinskampagne gegen Gewalt an Kindern“, erklärt die zuständige Stadträtin Claudia Unger (ÖVP).
Warum werden sie gerade in der dritten Klasse verteilt?
Weil da sowieso eine sogenannte „Soziale Stunde“ am Lehrplan steht, in der die Kinder unter anderem lernen über ihre Gefühle zu sprechen und „gute von schlechten Geheimnissen zu unterscheiden“, sagt Ingrid Krammer, Leiterin des Amts für Jugend und Familie der Stadt Graz. „Denn während etwa ein gutes Geheimnis ist, der Mama nicht zu verraten, was Papa ihr zum Geburtstag schenkt, gibt es eben auch viele schlechte Geheimnisse – wie Gewalt in der Familie.“ Die Mutmacher sollen helfen, darüber zu sprechen – heuer werden sie an 2700 Kinder in 110 dritten Klassen an 38 Grazer Schulen verteilt.
Warum macht man die Aktion an Schulen?
Dass man diese Aktion in Schulen macht, sei eine bewusste Entscheidung: „Ganz oft sind die Lehrerinnen und Lehrer ja wichtige Bezugspersonen, denen sich die Kinder auch anvertrauen. Es ist auch wichtig den Kindern den Eindruck zu vermitteln, dass sie sich mit ihren Sorgen und Problemen an jemanden wenden können und diese Person sie auch ernstnimmt und ihnen hilft“, erklärt Krammer. Dort wo nötig werden dann auch die Kinder- und Jugendhilfe und Gewaltschutzeinrichtungen eingeschaltet.
Was bringt diese Aktion tatsächlich?
19.000 Mutmacher wurden seit dem Start der Aktion in Graz im Jahr 2019 verteilt. Die Zahl der Meldungen von Verdachtsfällen von Gewalt ist in diesem Zeitraum von 945 (im Jahr 2019) auf 1551 im Vorjahr gestiegen. Im Vergleich zu 2019 wurden im Vorjahr zudem doppelt so viele Betreuungsverbote gegen Gewalttäter in der Familie ausgesprochen. Diese Steigerung ist einerseits zwar traurig. Aber: „Das heißt auch: 1551 Mal wurde hingeschaut, die Gefahr erkannt und etwas konkretes unternommen“, so Krammer.
Alle Infos zu der Aktion und den
Beratungsangeboten der Stadt Graz finden Sie hier.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.