Bedenkliche Zahlen

Mädchen landete fast 80-mal wegen Drogen im Spital

Oberösterreich
16.01.2026 07:00

79-mal landete ein Mädchen innerhalb von nur drei Jahren in Oberösterreich in der Kinderklinik bzw. in der Jugendpsychiatrie. 60-mal davon vollgepumpt mit Drogen. So kaputt sind nur die wenigstens Teenager. Aber während das „Komasaufen“ zumindest ein wenig nachlässt, steigt der Konsum von Cannabis und Kokain.

Erinnern Sie sich noch, als das „Komasaufen“ von Jugendlichen Schlagzeilen machte? Irgendwann erlosch das öffentliche Interesse, doch das änderte nichts.

Der Linzer Medizinstudent Marco Breiteneder (29) analysierte für seine Masterarbeit an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Linz die Daten von 1279 Patienten im Alter von zwölf bis 18 Jahren, die zwischen 2019 und 2023 in der Kinderklinik bzw. in der Psychiatrie landeten und diverse Vergiftungserscheinungen aufwiesen. Das Durchschnittsalter war 16 Jahre.

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Ich hab es erschreckend gefunden, wie stark der Suchtgiftmissbrauch bei uns ist. Das gilt auch für den Alkohol. 

Medizinstudent Marco Breitender zum Studienergebnis

Das Mädchen musste immer wieder ins Spital. (Symbolbild)
Das Mädchen musste immer wieder ins Spital. (Symbolbild)(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Deutliche Verschiebungen
„Unsere Analyse zeigt deutliche Verschiebungen im Muster der nachgewiesenen Substanzen“, sagt Breiteneder: „Während Alkohol weiterhin am häufigsten festgestellt wird, nahmen insbesondere Cannabis- und Kokainnachweise zu. Auffällig ist zudem der hohe Anteil an Mischkonsummustern.“

Mädchen sind weit stärker betroffen
Die Anzahl stationärer Aufnahmen aufgrund von Alkoholvergiftungen ging leicht zurück. 2023 gab es 88 solcher Totalausfälle wegen „Komasaufens“. Etwa zwei Drittel der Fälle traten an Wochenenden auf. Mädchen waren häufiger betroffen, Burschen wiesen jedoch schwerere Verläufe und höhere Blutalkoholspiegel auf, sie landeten deshalb öfter auf der Intensivstation.

Kokain ist auf dem Weg, eine Volksdroge wie Cannabis zu werden: Die Nachweise dieser Droge stiegen deutlich an. In 92 Prozent der Fälle wurden sie im Rahmen von Mischkonsum festgestellt, überwiegend mit Cannabis.

(Bild: P. Huber)

Sowohl die Anzahl positiver Cannabistests als auch die Häufigkeit wiederholter Nachweise nahm zwischen 2020 und 2023 zu, im Jahr 2023 gab es 166 Nachweise.

Schockierende Exzesse
Ein Teil der jungen Patienten fiel durch mehrfache Exzesse auf. Am schockierendsten war wohl der Fall jenes Mädchens, das innerhalb von drei Jahren insgesamt 79-mal stationär behandelt werden musste – 60-mal davon wegen Mischintoxikation, sprich verschiedenen Drogen im Blut. Ein weiteres Mädchen musste 35-mal stationär behandelt werden, zwei andere je zehnmal.

Auf Suchterkrankungen will sich Breiteneder übrigens nicht spezialisieren: Er will lieber Allgemeinmediziner werden.

„Krone“-Kommenar
Es ist nur die Spitze des Eisbergs

„Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs“ – so kommentiert Kinderklinik-Leiter Wolfgang Högler die argen Studienergebnisse. Und er mahnt, dass jeder Fall ein Alarmschrei sei.

(Bild: Krone KREATIV, Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

Sucht wird in unserer auf Selbstoptimierung fixierten Gesellschaft ein immer größeres Problem – auch deshalb, weil sehr viele Erwachsene vorexerzieren, dass es eh super ist, wenn man pausenlos aufs Handy glotzt, manisch Marathon läuft oder sich mit Pillen, Pulverln und Alkohol als Alltags-Doping behilft.

Der kritische Blick in den Spiegel, sprich schmerzhafte Selbsterkenntnis, wird meist vermieden. Stattdessen machen wir lieber ein Selfie. Es ist ja so lustig, und alle sind sicher neidisch.

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