Kein Kontakt in Iran

„Wir machen uns Sorgen um Familien und Freunde“

Oberösterreich
04.03.2026 10:00

Drei Iraner aus Linz berichten im Gespräch mit der „Krone“ über ihre Hoffnungen und Sorgen. Wie sie unter dem Mullah-Regime gelitten haben, wie es um Kontakt zu ihren daheimgebliebenen Familien und Freunden steht und was sie sich für die Zukunft wünschen, lesen Sie hier. 

Die Gefühle von Iranern über die Geschehnisse der vergangenen Wochen – die brutal niedergeschlagenen Proteste mit zehntausenden Toten, der Angriff und die Tötung Khameneis – sind kaum knapp zusammenzufassen. „Einerseits bin ich unglaublich happy, dass der Führer endlich ausgeschaltet ist, andererseits bin ich traurig, dass unser Land so angegriffen wird“, meint Sara Safarkhani (44), die 2013 aus ihrer Heimat flüchten musste, weil sie dort als Journalistin verfolgt wurde.

Hoffnung auf kurzen Krieg
Dem stimmt auch Amir Bakhtiari zu: „90 Prozent der Iraner sind froh über seine Tötung, und hoffen, dass der Krieg bald vorbei sein wird. Schließlich hat der Iran nun keinen Anführer, das Militär ist schwach und hat keine Unterstützung aus der Bevölkerung“, ist der 42-jährige Chemieingenieur und Vater eines Buben überzeugt. „Krieg ist natürlich schrecklich, aber viele glauben, dass nach allem, was geschehen ist, es mit diesem Regime keinen friedlichen Weg mehr gegeben hätte“, meint auch die Architektin Nahid N. (41).

Zehntausende Tote
Alle drei berichten von der katastrophalen Lage nach 47 Jahren des islamistischen Mullah-Regimes, von wirtschaftlichem Zusammenbruch, staatlicher Terrorfinanzierung, Unterdrückung, brutaler Schikane und vor allem Gewalt gegen die Bevölkerung. Die war besonders während der Demonstrationen der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung seit 2022 und in den Massenprotesten gegen das Regime eskaliert – innerhalb weniger Tage hatte das Regime über 30.000 Demonstranten erschießen lassen. 

Alle Leitungen gekappt
Eines aber steht über allem: „Wir machen uns alle sehr große Sorgen um unsere Familien und Freunde im Iran“, berichten alle drei. „Meine Eltern und Geschwister sind alle im Iran. Leider hat das Regime das Internet und alle Telefonleitungen gekappt, um Informationen über den Krieg zu zensieren. Ich habe seit Tagen nichts von ihnen gehört und mache mir große Sorgen. Nur wenige Menschen, die StarLink-Ausrüstung haben, können Nachrichten nach draußen schicken. Der Besitz dieser Geräte ist aber im Iran illegal und wird mit hohen Geldstrafen oder sechs Monaten Gefängnis bestraft“, bedauert die Mutter zweier Töchter. Ihretwegen ist sie mit ihrem Mann, einem Ingenieur, 2023 nach Österreich geflüchtet.

„Können überhaupt nichts tun“
„Unsere Stadt ist zum Glück etwas sicherer, weil es dort weder eine größere Basis der Revolutionsgarden noch relevante Industrie gibt. Der Großteil meiner Familie und Freunde ist noch im Iran, und wir haben seit drei oder vier Tagen überhaupt keinen Kontakt mehr. Wir machen uns große Sorgen, aber können überhaupt nichts tun“, bekräftigt auch Amir Bakhtiari. Ähnliches macht auch Sara Safarkhani durch: „Meine Familie ist auch noch im Land, und ich weiß seit Samstag nicht, ob es ihnen gut geht oder nicht.“

Wie es nun weitergehen soll? „Entweder Trump macht so lange weiter, bis der Iran aufgibt, oder alle hochrangingen Personen des Regimes ausgeschaltet sind. Beide Möglichkeiten garantieren aber nicht, dass das Regime tatsächlich gestürzt wird und eine neue Regierung kommt“, ist Safarkhani skeptisch. 

Wahl zur Regierungsform?
Nahid N. und Amir Bakhtiari legen dafür große Hoffnungen in Reza Pahlavi, den bestens vernetzten Sohn des Schahs. Nicht zwingend, dass er wie sein Vater und Großvater als beliebter König über den Iran regieren soll, sondern den Iranern beim Übergang in eine neue Ära helfen soll. „Reza Pahlavi hat im amerikanischen Exil ein gewaltiges Netzwerk geknüpft. Sein Plan für die Übergangsphase beinhaltet Wahlen, bei denen das Volk entscheiden soll, welche Art von Regierungform es will, und er steht für eine sekuläre Regierung ohne islamische Einflüsse“, weiß der geschichtlich und politisch interessierte Chemieingenieur. 

Weg vom radikalen Islam
Eines wünschen sie sich alle drei: Einen modernen Iran, befreit von radikal islamistischen Einflüssen, dessen Regierung – in welcher Form auch immer – für das Wohlergehen der Bevölkerung einsetzt, anstatt den immensen kulturellen Reichtum zu unterdrücken, und den nicht weniger beachtlichen finanziellen Reichtum des Landes sinnvoller zu nützen, als Terrororganisationen und Atomwaffenforschung zu finanzieren. Wie es aber wirklich weitergeht im Iran, steht in den Sternen. 

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