KI Nutzung

Vorarlberger Forscherin sieht großen Lernbedarf

Vorarlberg
15.01.2026 08:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

„Wir müssen lernen, wann wir Verantwortung abgeben und wann wir sie behalten“, sagt Sabrina Schneider von der FH Vorarlberg.

Immer mehr Unternehmen greifen bei Entscheidungen auf den Einsatz von KI zurück. Inzwischen betrifft das auch Bereiche, die direkte Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben. Die Vorarlberger FH-Forscherin Sabrina Schneider hat gemeinsam mit Elena Freisinger (Ilmenau University of Technology) in einer Ende 2025 veröffentlichten Studie untersucht, wie Menschen mit KI-Beschlüssen umgehen, die erhebliche moralische und soziale Konsequenzen haben – etwa bei Massenentlassungen und Werksschließungen. Dazu entwarfen die Forscherinnen ein durchaus realistisches Szenario: Im ersten Experiment sollte eine Gruppe als Zuständige entscheiden, welche Mitarbeitenden bei einer Standortschließung gekündigt würden, eine andere Gruppe sollte das im Namen eines erkrankten Kollegen tun. Die Hauptfrage war, wie sehr die Teilnehmer bereit wären, die Wahl einem auf rational optimale Entschlüsse trainierten KI-Entscheidungssystem zu überlassen.

KI gilt zwar als rational, aber auch als herzlos
Und in einem zweiten Experiment sollten die Teilnehmenden anhand von vier Szenarien bewerten, ob sie Entscheidungen über Kündigungen akzeptieren würden, je nachdem, ob diese von einem menschlichen bzw. nicht-menschlichen Agenten getroffen wurden. Das Ergebnis ist überaus spannend: Etwa 58,5 Prozent der Teilnehmer, die Entscheidungen im eigenen Verantwortungsbereich treffen mussten, aber nur etwa die Hälfte der Stellvertreter (49,3 Prozent), waren bereit, die Aufgabe an die KI zu übertragen. Wer für sich selbst entschied, übertrug demnach schwierige Entscheidungen eher an die KI.

Für Schneider durchaus überraschend zeigte sich zudem, dass davon Betroffene nicht automatisch von Menschen gefasste Entschlüsse bevorzugten. Mit 36 Prozent akzeptierte ein signifikanter Anteil die KI-Entscheidungen, da sie diese als fair und rational einstuften. Ebenso zeigte sich allerdings, dass es gerade in sensiblen Fragen große Vorbehalte gegenüber KI-Entscheidungen gab: 56 Prozent lehnten diese als „herzlos“ ab. Ein verantwortungsvoller KI-Einsatz brauche also mehr als technische Kompetenz, es stellten sich auch Fragen nach Verantwortung, Transparenz und sozialer Wirkung, fasst Schneider die Ergebnisse zusammen. „Wir müssen das gesamte Bild im Auge behalten, auch die Perspektive von Mitarbeitenden oder Kunden“, betont die Professorin, die seit über zehn Jahren in dem Bereich forscht.

Bewusster Umfang, klare Standards
Sie empfiehlt allen Unternehmen, sich bewusst mit der KI-Thematik auseinanderzusetzen und klare Standards zu setzen. „Das Schlimmste ist, wenn die KI im Verborgenen genutzt wird, wenn Mitarbeiter private Accounts nutzen, gar sensible Daten hochladen.“ Zwar würden viele Unternehmen im Vergleich zu früher mittlerweile einen verantwortungsvolleren Umgang mit KI pflegen, „wir sind aber sicherlich noch nicht am Ziel“, so Schneider. Es gelte zu verstehen, wie KI funktioniert, lernt und wo ihre Grenzen liegen – und dafür benötige es weiterhin Eigenschaften wie kritisches Mitdenken, Hinterfragen und Reflexion. „Wir brauchen Wissen und Verständnis, um in Kontrolle zu bleiben!“

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