Ordensmitglied eiskalt

Ansage nach Habsburg-Rede: „Jeder kann aussteigen“

Innenpolitik
13.01.2026 17:57

Karl Habsburg hat mit seiner Kritik an der FPÖ für helle Aufregung gesorgt. Namhafte Freiheitliche kehren seinem Orden nun den Rücken, um weiter „in den Spiegel schauen“ zu können. Andere Mitglieder loben dagegen die „pointierte Rede“ des Kaiserenkels.

Der frühere ÖVP-Europaabgeordnete Habsburg hatte die EU-Fraktion der Patrioten, der auch die FPÖ angehört, am Sonntag in seiner Rede zur Zukunft Europas als „fünfte Kolonne Moskaus“ bezeichnet. Einigen Mitgliedern warf er „Hochverrat“ vor – und löste damit eine blaue Welle der Entrüstung aus.

Der Kaiserenkel fing sich zudem einen Rüffel des ihm nahestehenden Andreas-Hofer-Bundes ein. „Es ist ein Novum in der über 100-jährigen Geschichte des AHBT, dass öffentliche Kritik an einem Mitglied des österreichischen Kaiser- und Tiroler Fürstenhauses geäußert wird“, teilte Vereins-Obmann Alois Wechselberger am Dienstag in einer Aussendung mit. „Umso größer ist die Irritation“ über die jüngsten Aussagen „von Karl von Österreich“.

„Unabhängig davon, wie man zur FPÖ stehen mag, erscheint es ungeschickt, dass sich gerade ein Mitglied des Hauses Habsburg öffentlich parteipolitisch positioniert und eine demokratisch gewählte Partei angreift“, so Wechselberger. Er bot seinen Verein als Vermittler an, brach aber zugleich inhaltlich eine Lanze für die FPÖ.

Die gesamte Rede von Karl Habsburg im Video: 

Was Südtirol und die österreichischen Volksgruppen betreffe, setze sich diese besonders „klar und konsequent für deren Interessen“ ein. „Vaterlandsliebe, EU-Kritik sowie die neutrale Haltung der FPÖ im Ukraine-Konflikt sind weder mit Nationalismus noch mit Europafeindlichkeit oder einer Nähe zu Russland gleichzusetzen“, betonte Wechselberger.

Mehrere FPÖ-Politiker hatten Habsburg angegriffen
Im Zuge der Habsburger-Kritik legte der frühere Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) seine Mitgliedschaft im St.-Georgs-Orden der Familie Habsburg nieder, während mehrere FPÖ-Politiker wie der EU-Delegationsleiter Harald Vilimsky oder der Wiener Landtagsabgeordnete Leo Lugner scharfe Worte an den Großmeister des Ordens richteten. 

„Ob die jahrhundertelange Inzucht seines autokratischen Erbzirkels der Grund für diese wirren Beleidigungen der stärksten demokratischen Kraft in unserem Land ist?“, schrieb Lugner etwa wenig pietätvoll auf X. 

Habsburg „liegt so was von falsch“, betonte auch Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ). Der frühere Präsidentschaftskandidat fügte hinzu, dass Habsburg keine politische Rolle mehr spiele und ein „Privatmann“ sei.

Aus Protest gegen Habsburgs Aussagen zog sich auch die frühere Europaabgeordnete und Ex-Stadträtin Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ) aus dem Orden zurück. Sie gehörte ihm als „Ehrendame“ an. Sie lege ihre Mitgliedschaft „mit Bedauern“ zurück, schrieb Stenzel am Montag auf X. „Aber ich will mich noch in den Spiegel schauen können.“ 

„Wer aussteigen will, kann jederzeit aussteigen“
In der Vergangenheit waren mehrere FPÖ-Politiker in den Orden aufgenommen worden. Von einem Mitglied des Ordens hieß es am Dienstag gegenüber der APA, dieser sei „völlig überparteilich“ und umfasse auch zahlreiche Personen, „die ihre Karriere ohne jegliches Parteibuch gemacht“ hätten. Außerdem habe er mit seiner karitativen Arbeit eine „enorme Anziehungskraft“ und „Mitglieder aus ganz Europa“, betonte das Mitglied, das nicht namentlich zitiert werden wollte.

Es lobte die „pointierte Rede“ Habsburgs und sagte in Richtung von FPÖ-Politikern: „Wer aussteigen will, kann jederzeit aussteigen.“ Dass in einem bestimmten Zeitabschnitt insbesondere FPÖ-Politiker eingeladen worden seien, hatte mit der damaligen Ordensführung zu tun, die aber „nicht mehr am Werk ist“.

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