Alexander Wessely

Rolle seines Lebens: Militärpfarrer im Burgenland

Burgenland
06.01.2026 09:00

Alexander M. Wessely ist genau seit dem 1.1.2006 Militärpfarrer des Burgenlandes. Bemüht man die Suchmaschine, findet man viel. Kurz und prägnant kann es die KI aber auch: Alexander Wessely ist eine prägende Figur in der Militärseelsorge des Burgenlandes, der Theologie und Kultur verbindet und sich durch sein vielseitiges Engagement auszeichnet.

Aber wie kam er überhaupt zur Militärseelsorge? Denn eigentlich ist dieser vielseitige Alexander Markus Wessely Kindergartenpädagoge, er besuchte die Schauspielschule Krauss und studierte Theaterwissenschaften.

Also wie, Herr Pfarrer, kam es dazu, dass Sie sich dazu entschlossen, Pfarrer zu werden? Kurz denkt er über die Frage nach, dann meint er: „Das hat sich einfach so ergeben. So wie alles in meinem Leben. Ich habe nie etwas geplant. Als der Entschluss gefallen ist, war ich bereits jahrelang ständiger Diakon. Und dann hat mir der damalige Militärpfarrer gesagt: Alexander, ich brauche dich als ständigen Priester. Das war wohl das i-Tüpfelchen, das den Ausschlag gegeben hat.“

Am 8.12.2005 wurde Alexander Wessely zum Priester geweiht.
Am 8.12.2005 wurde Alexander Wessely zum Priester geweiht.(Bild: Archiv Wessely)

Überhaupt ist er der Meinung, dass das heute fehlt. Dass Pfarrer die jungen Männer direkt auf ihre Berufung ansprechen sollten. Denn bei ihm habe das der damalige Militärpfarrer genau so gemacht. Ihn direkt angesprochen und die Sache auf den Punkt gebracht. 

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Ich habe die großen Schritte in meinem Leben nie bereut. 

Auf die Frage, ob er den Entschluss je bereut hat, lacht er. „Nein. Ich habe die großen Schritte in meinem Leben nie bereut. Ich habe aber auch das Glück, dass ich immer Leute um mich hatte, die meinen Weg nicht nur begleitet, sondern auch unterstützt haben. Egal, ob es meine Familie war oder auch mein Freundeskreis oder Priester, die große Vorbilder für mich waren.“

Alexander Wessely ist mit Leib und Seele Pfarrer. Seine Leidenschaft gilt aber nicht nur seinen Schäfchen. Denn er stammt aus der bekannten Wiener Schauspielerfamilie Wessely – und diese Gene kann er nicht verleugnen. Ein wichtiger Punkt für ihn war auch seine Leidenschaft weiter ausüben zu können. „Ich habe den damaligen Militärpfarrer gefragt, ob ich nebenbei weiter schauspielern kann und er hat das bejaht. So hat es nie Lebensbrüche gegeben. Auch ein Grund, warum ich mit meinen Entscheidungen auch heute noch glücklich bin.“

Der Requisiteur gehört seit Jahren zu Wesselys Repertoire.
Der Requisiteur gehört seit Jahren zu Wesselys Repertoire.(Bild: Ruth BROZEK)
2025 verkörperte Wessely den Judas im Pulverturm zu Eisenstadt.
2025 verkörperte Wessely den Judas im Pulverturm zu Eisenstadt.(Bild: B. Hauer)

Er vergleicht sein Leben ein wenig mit einem Kleiderkasten. Teile wurden schön zusammengelegt, Teile hineingestopft. Aber alles passt hinein und alles gehört zusammen. 

Militärseelsorge wichtiger Punkt für Soldaten
Kennengelernt hat er die Militärseelsorge im eigenen Grundwehrdienst. „Da habe ich gesehen, wie wichtig es eigentlich ist, bei den Soldaten zu sein.“ Deshalb war es für ihn klar: wenn Pfarrer, dann im Militärdienst. „Ich hätte auch gar nicht das Charisma eines Gemeindepfarrers“, ist er überzeugt. Denn so gern er seinen Job macht – und auch, wenn er auch als Militärpfarrer immer erreichbar ist – sein Zuhause ist in Wien. Das heißt, er kann aussteigen, nimmt sich aus der Rolle Pfarrer selbst heraus und ist nur Alex. Bruder, Onkel, Sohn, Freund. Die drei Jahre als Pfarrer am Oberberg und in Kleinhöflein waren eine schöne Zeit, trotzdem könne er sich ein Leben in einer Zivilpfarre nicht vorstellen.

Am liebsten bei den Soldaten im Einsatzraum
Sein liebster Platz ist direkt bei den Soldaten und Assistenzsoldaten, dort wo sie im Einsatz sind. Denn diese erleben besondere Bedingungen. „Egal ob an Feiertagen oder im Einsatz – wo wir sind, ist die Truppe, wo die Truppe ist, sind wir. Da geht es um Begleitung in einer besonderen Lebenssituation. Dort ist mein Platz, dort muss die Militärseelsorge sein“, ist er überzeugt. Egal, ob es die Nikolofeier ist, bei der die Soldaten ihre Kinder mit in die Kaserne bringen oder seine besondere Verbindung zur Militärmusik, für die er gerne Konzerte moderiert – für ihn ist es wichtig die Soldaten auf ganz besondere Weise zu erreichen.

Und worüber sprechen die Grundwehrdiener und Soldaten mit ihm? „Das ist unterschiedlich“, erklärt der Militärpfarrer. „Teilweise sprechen wir über ganz normale Dinge, wo der Schuh im Alltag eben gerade drückt. Und teilweise geht es um religiöse Themen. Wodurch man den Willen Gottes im Alltag erkennen kann, in etwa. Es gibt immer sehr spannende Gespräche. Wichtig ist auf alle Fälle, dass wir Raum und Zeit für Ruhe schaffen müssen. Deshalb sind die Hauskapellen in den Kasernen in Eisenstadt und Güssing auch immer offen. Dorthin können sich Soldaten zurückziehen, wenn sie es brauchen, dort können sie zur Ruhe kommen und abschalten. Man sollte nicht glauben, wie viele dieses Angebot annehmen.“ 

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens
Als Wessely 2006 als Militärpfarrer anfing, gab es in der Truppe einen relativ starken Faktor der Religiosität. „Das hat im Laufe der Zeit abgenommen. Seit der Pandemie ist die Sehnsucht nach Halt aber vermehrt wieder da. Viele wollen jetzt wieder Antworten der Kirche für ihr Leben haben.“ Viele suchen laut ihm auch nach dem Sinn des Lebens. Und was ihm besonders auffällt: Nur ein bisschen religiös gibt es nicht. Entweder jemand ist areligiös oder eben nicht.

Im Glauben muss für ihn auch nicht alles an die Kirche gebunden sein. „Ich setze verstärkt auf starke Symbolsprache, die jeden Menschen erreicht“, erklärt er und gibt gleich einmal ein Beispielspiel. Bei der vergangenen Feldandacht, bei der 160 Soldaten anwesend waren, gab er die Möglichkeit für diejenigen, die Kerzen anzünden möchten, das zu tun. „Und auf einmal waren so gut wie alle da, es war wirklich berührend zu sehen“, so Wessely. 

Auch bei Fürbitten geht er einen persönlichen Weg. Denn er fordert die Soldaten auf, sich drei Bitten zu überlegen. Erstens für einen Menschen, an den sie ganz besonders denken. Zweitens an eine Person, die bereits in eine andere Wirklichkeit vorausgegangen ist und drittens eine für sich selbst. „Bei solchen Dingen werden die Menschen konkret abgeholt. Da sehe ich dann nicht selten eine verstohlene Träne im Augenwinkel. Und ganz ehrlich. Genau das soll es sein. Die Seelsorge muss die Menschen dort abholen, wo sie sie berührt. Für „bella figura“ ist da keine Zeit. Die mache ich auf der Bühne.“

Er will authentisch sein – und vor allem möchte er bei den Leuten sein. „Der letzte Platz, wo der Militärpfarrer gebraucht wird, ist die Pfarrkanzlei“, ist er überzeugt. Sein Credo ist, wie bereits erwähnt: Wo wir sind, ist die Truppe. Wo die Truppe ist, sind wir. Und das bei Wind und Wetter. Da gilt auch ein Dank an die Militärkommandanten, die er bis jetzt erlebt hat. „Bis dato hatten wir immer Kommandanten, die die Militärseelsorge unter den Menschen eingefordert, aber auch gefördert haben. Genau das ist wichtig. Und genau deshalb lebe ich für meinen Job, der auch meine Berufung ist.“ Oder wie der Militärkommandant des Burgenlandes Gernot Gasser es bei der 20-Jahr-Feier als Priester an Alexander Wessely so treffend formuliert, hat: „Alexander ist Seelsorger, Mensch, Kamerad und Sohn.“ Auch wir gratulieren zu 20 Jahre Militärseelsorge, lieber Herr Militärpfarrer. Das ist wirklich die Rolle Ihres Lebens.

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