Premiere im Theater in der Josefstadt für „Ein deutsches Leben“ – ein Stück über Brunhilde Pomsel, die Sekretärin von Joseph Goebbels. Die große Lore Stefanek spielt die Hauptrolle, die deutsche Star-Regisseurin Andrea Breth inszeniert – zusammen mit Musiker Adam Benzwi. Wir baten den US-Pianisten zum Gespräch.
Nach jahrzehntelangem Schweigen sprach Brunhilde Pomsel (1911-2017) im Alter von 103 Jahren zum ersten Mal umfassend über ihre Zeit als Stenotypistin und Sekretärin von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Sich selbst bezeichnete sie immer nur als „Randfigur“ und völlig „unpolitisch“. Bis zuletzt beharrte sie darauf, vom Holocaust erst nach dem Ende des Nationalsozialismus erfahren zu haben.
Bekannt wurde ihre Geschichte durch den österreichischen Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ (2016). Der englische Dramatiker Christopher Hampton hat daraus einen Theatertext verfasst, den Andrea Breth mit der großen Lore Stefanek in der Hauptrolle für das Theater in der Josefstadt inszeniert hat. Zusammen mit dem US-amerikanischen Musiker Adam Benzwi spannt sie Bögen aus bekannten Schlagern, alten Volksliedern und belasteten Heimatliedern zu einem atmosphärischen Schauspiel. Mit Benzwi hatte Breth bereits 2023 den Abend „Ich hab die Nacht geträumt“ ans Berliner Ensemble gebracht.
„Es sind populäre Lieder aus jener Zeit, die ich am Klavier spiele, die wie ein Hauch auftauchen und wieder verschwinden“, sagt Adam Benzwi, der bereits mit zwölf Jahren als Pianist auftrat und seit 1984 in Berlin lebt, im „Krone“-Gespräch – „wie ein Aquarell getupfter Erinnerungen“.
Eines der Lieder nennt sich „Tapfere kleine Soldatenfrau“: „Ein großer, furchtbarer, typischer Goebbels-Propaganda-Schlager aus der Kriegszeit, der den Frauen einredet, wie schön es ist, dass sie das alles ertragen. Es ist verstörend zu sehen, wie man versuchte, Krieg schmackhaft zu machen.“ Was soll das Publikum seiner Meinung nach mit nach Hause nehmen? „Unser Abend möchte weder beurteilen noch verurteilen“, so Benzwi, „vielmehr befragt er und überlässt es dem Publikum, seine Schlüsse daraus zu ziehen. Das geschieht eben auch mit dem Mittel der Musik: Wo belügt sich der Mensch, um die Wahrheit zu ertragen?“
In Wien fühlt sich Adam Benzwi. der u. a. an der Wiener Volksoper „Ein bisschen trallalala“ dirigiere pudelwohl: „Ich erlebe die Wiener hochmusikalisch, vieles ist so selbstverständlich, was Musk betrifft, ich bin immer gerne in dieser Stadt und liebe auch den Dialekt.
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