Leben nach dem Krieg
Syrer haben meist nur wenige Stunden pro Tag Strom
Nach dem Bürgerkrieg in Syrien sind die Lebensumstände der Bevölkerung weiterhin schwierig. Viele konnten bloß in einem notdürftig hergerichteten Zimmer eines Ruinenhauses unterkommen, in der Großstadt Aleppo werden dafür oft Wucherpreise verlangt. Auch die Infrastruktur und Schulen sind vielerorts zerstört.
Rückkehrerinnen und Rückkehrer richten sich häufig ein einzelnes Zimmer eines zerstörten Hauses notdürftig als Wohnraum her. Strom gibt es in Syrien auch für die besser situierten Bewohnerinnen und Bewohner meist nur zwei bis drei Stunden am Tag – selbst in der Großstadt. Geduscht wird daher in der Regel kalt. Wer es sich leisten kann, montiert eine – aus China importierte – Photovoltaikanlage auf das Dach. Die Inflation im Land ist hoch, viele Güter sind für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich.
Manche Menschen eröffnen ein Geschäftslokal in einer reparierten Garage. Felder werden wieder bestellt, überall herrscht Geschäftigkeit und es wird gebaut. Das aktuelle Stadtbild von Aleppo erinnert am ehesten an Wien nach dem Zweiten Weltkrieg: Intakte und beschädigte Gebäude stehen oft direkt nebeneinander. Die Großstadt war zwischen 2012 und 2016 heftig umkämpft. Weitere schwere Schäden verursachte ein Erdbeben im Februar 2023, das die Türkei und den Norden Syriens traf. Inzwischen wurde das Minarett der Großen Moschee in der Altstadt wieder aufgebaut. Der berühmte Souk, ein überdachter Basar, soll ebenfalls wieder genutzt werden.
Fehlende Dokumente verhindern Schulbesuch
„Damals wurde die Stadt meist von außen beschossen – aber jetzt waren die Kämpfe in den Straßen“, blickte Familienvater Sako auf die Schlacht von Aleppo und die jüngsten Kämpfe Anfang Jänner zurück. Vor ungefähr einem Monat hatten sich die Truppen der offiziellen Regierung und die kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zehn Tage lang bekämpft. Ende Jänner erzielten sie eine Einigung. Die Sorge der Menschen in Syrien ist weiter spürbar. Sako spielt seiner vierjährigen Tochter Kinderlieder vor, um sie abzulenken. „Wir haben meiner Dreijährigen erzählt, dass da draußen gefeiert wird – Feuerwerk und solche Sachen“, sagte wiederum eine junge Mutter, die ihre Tochter vor seelischen Verletzungen schützen möchte.
Ältere Kinder können heute zunehmend eine Schule besuchen. Der achtjährige Ahmed lernt nun etwa lesen und schreiben. Wie viele andere hatte der Bub aus einem Vorort von Damaskus keine Geburtsurkunde und durfte daher nicht in die Schule gehen. Fehlende Dokumente sind ein häufiges Problem für Kinder und Jugendliche, die während des Bürgerkriegs zwischen 2011 und 2024 geboren wurden. Sie wurden auf der Flucht nicht registriert, zudem fallen hohe Gebühren an. Einige Kinder sammelten Plastik auf den Straßen, um die Familie zu versorgen. Mit Plastik heizen einige Menschen auch, es liegt überall auf den Straßen.
Die Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Sharaa, die seit dem Sturz der Regimes von Bashar al-Assad im Dezember 2024 durch islamistische Milizen das Land führt, möchte die Wirtschaft wieder ankurbeln und sich als verlässlicher Partner präsentieren. Auf einem Bildschirm am Grenzübergang zum Libanon wird mit Bildern von Häfen, Fabriken und Flughäfen um Investitionen in Syrien geworben. Fremde gibt es im Land derzeit kaum. In manchen Regionen pulsiert das Leben allerdings, etwa in der malerischen Altstadt von Damaskus, die von den Kämpfen unberührt blieb. Dort werden allerlei Waren in den Geschäften angeboten, in den Hotels wird auf Generatoren gesetzt, um die Wasser- und Stromversorgung sicherzustellen.











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