„Problembranche“

Prekäre Situation: Wiener Paketzusteller am Limit

Wien
10.12.2025 11:00
Porträt von Wien Krone
Von Wien Krone

Die Arbeitsbedingungen vieler Paketzusteller seien unzumutbar, moniert die AK Wien. Keine Pausen, nicht ausbezahlte Löhne und Überstunden seien die Regel. 

Über drei Millionen Pakete werden in Wien allein von der Österreichischen Post in der Weihnachtszeit geliefert. Dazu kommen aber auch noch Zusteller der Paketdienste wie DPD, GLS, UPS und Co., die im Advent rund um die Uhr arbeiten. Die Arbeitsbedingungen sind dabei größtenteils unzumutbar, wie die Arbeiterkammer (AK) Wien am Dienstag kritisierte. 

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Der Druck auf die Beschäftigten ist immens, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes groß.

Bianca Schrittwieser, Leiterin der Abteilung Arbeitsrecht

Das Kleintransportgewerbe sei eine „Problembranche“. „Der Druck auf die Beschäftigten ist immens, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes groß“, so Bianca Schrittwieser, Leiterin der Abteilung Arbeitsrecht. Immer wieder weise die AK auf die prekäre Situation hin. Geändert wird aber seit Jahren nichts. 

Laut ÖNACE (Österreichische nationale Klassifikation der wirtschaftlichen Tätigkeiten) sind aktuell 1700 Paketzusteller in Wien unterwegs. Bis Ende November berichteten der AK bereits 550 von ihnen von Arbeitsrechtsverletzungen.

Diese seien nur die „Spitze des Eisbergs“, so Schrittwieser. Die Zusteller erzählen von fehlenden Löhnen und unbezahlten Überstunden. Auch Pausen werden oftmals nicht eingehalten, Arbeitszeit-Höchstgrenzen werden immer wieder ausgereizt. 

Arbeitgeber oft nicht bekannt
Außerdem: Die Fahrer arbeiten vermehrt für Subunternehmen, die Aufträge von großen Firmen, wie etwa Amazon oder DPD, übernehmen. Wer der tatsächliche Arbeitgeber ist, sei oft nicht einmal bekannt. Vielmehr wird eine digitale Überwachung herangezogen, die die Leistung und die Einhaltung der Routen kontrolliert.  

Dadurch werden Zusteller schlecht bewertet und erfahren davon erst, wenn sie  keine Aufträge bekommen oder den Job verlieren. 

EU-Richtlinie soll helfen
Genau das soll jetzt die EU-Plattformarbeitsrichtlinie regulieren. „Eine wirksame Umsetzung der Richtlinie schafft endlich Regeln und Rechte, die dazu beitragen, dass Plattformbeschäftigte nicht länger den undurchsichtigen Entscheidungen einer Blackbox ausgeliefert sind“, so Adriana Mandl, Expertin der Abteilung Sozialpolitik bei der AK Wien. 

Zudem fordert die AK höhere Strafen für Lohn- und Sozialdumping. Denn der Lohnbetrug sei „einfach zu billig geworden“, meint Mandl. 

Es brauche auch ein Überstunden-Duplum, wodurch Arbeitgeber das Doppelte bezahlen müssen, sollten sie Überstunden vorenthalten. 

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