Der ORF hat angekündigt, den Vertrag von Karim El-Gawhary, der das Nahostbüro in Kairo leitet, nicht mehr zu verlängern. Ehemalige Journalistinnen und Journalisten des Österreichischen Rundfunks setzen sich nun für seinen Verbleib ein. „Wir verwehren uns gegen die einseitige, offensichtlich pro-israelische ORF-Berichterstattung über den Nahen Osten“, heißt es in einer Aussendung.
Karim El-Gawhary studierte Islamwissenschaft und Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Nahost in Berlin. Seit 1991 ist er bereits Korrespondent in Kairo, seit 2004 leitet der Journalist das Nahostbüro des ORF. Zudem schreibt er für deutschsprachige Zeitungen.
Seine Berichterstattung zum Gaza-Krieg wurde von jüdischer Seite mehrfach kritisiert, etwa weil er die israelische Regierung als „Besatzer“ bezeichnet und die palästinensische Bevölkerung als „Besetzte“. Am 22. Dezember 2025 gab der ORF schließlich bekannt, dass El-Gawharys Vertrag mit Juni 2026 auslaufe und das Büro in Kairo komplett aufgelassen werde. Vor dieser Entscheidung soll sich ORF-Generaldirektor Roland Weißmann Anfang November mit Israels Staatspräsident Yitzhak Herzog und dem Direktor des israelischen Rundfunks KAN, Golan Yochpaz, getroffen haben.
Gegen die Schließung des Büros und das Auslaufen des Vertrags von El-Gawhary formiert sich nun Protest von unterschiedlichen Seiten. Die Berichterstattung des ORF-Büros in Israel sei „in weiten Teilen unausgewogen“, sagten ehemalige Journalistinnen und Journalisten des Rundfunks wie Udo Bachmair und Renata Schmidtkunz. „Wir unterstützen die vom jüdisch-arabischen Bündnis Standing Together Vienna bei der Medienaufsichtsbehörde eingebrachte Beschwerde gegen den ORF. Darin wird dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Verletzung seiner gesetzlichen Verpflichtung zur objektiven Berichterstattung über den Gaza-Krieg und somit ein Verstoß gegen §10 Absatz 5 des ORF-Gesetzes vorgeworfen“, heißt es weiter in einer Aussendung.
Mehr als 21.100 Unterschriften für den Korrespondenten
Martin Adel und Franz Fluch, die ebenfalls für das Medium tätig waren, bemängeln etwa, dass die Begriffe „Kriegsverbrechen“ und „Völkermord“ im Kontext des Gaza-Kriegs in der Berichterstattung kaum vorkämen. Auch kritische jüdische Stimmen seien im ORF kaum zu hören oder zu lesen. „Als Ausnahme sticht die differenzierende journalistische Arbeit des Nahost-Korrespondenten Karim El-Gawhary hervor“, schrieben die beiden in einem Beitrag.
Ein solcher Schritt erweckt den Eindruck, dass journalistische Unabhängigkeit dort an Grenzen stößt, wo Berichterstattung politisch unangenehm wird.
Daniel Olivenbaum, Initiator einer Petition für El-Gawhary
Mehr als 21.100 Menschen (Stand: 11. Februar, 10.05 Uhr) haben inzwischen eine Petition für den Verbleib des Korrespondenten und die Beibehaltung des Büros in Kairo unterschrieben. „Ein solcher Schritt erweckt den Eindruck, dass journalistische Unabhängigkeit dort an Grenzen stößt, wo Berichterstattung politisch unangenehm wird. Diese Entscheidung betrifft nicht nur eine Personalfrage. Sie betrifft die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags, die Glaubwürdigkeit des ORF und das Vertrauen der Allgemeinheit, die diesen Auftrag finanziert“, hielt der Initiator Daniel Olivenbaum fest. Der Nahost-Experte könnte nach dem Auslaufen seines Vertrags theoretisch noch als freier Journalist für das Medium arbeiten.
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