Zumindest in der Außenwirkung liegen die Nerven beim israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu nicht blank: Das gegen ihn laufende Korruptionsverfahren hat er völlig ungeniert verhöhnt.
Eines gleich vorweg: Um einen Deepfake handelt es sich hier nicht. In seinem nun veröffentlichten Video hält Netanyahu tatsächlich eine Bugs-Bunny-Figur hoch und zieht die Staatsanwaltschaft durch den Kakao. Diese soll nämlich als Belastungsmaterial angeblich auch eine Puppe erwähnen, die er vor 29 Jahren als Geschenk für seinen Sohn erhalten habe. „Ab jetzt wird dieser Prozess als Bugs-Bunny-Prozess bekannt sein“, lästerte der Regierungschef in dem Video.
Erneut sprach Netanyahu von einem als politisch motivierten Prozess, dessen Ziel es sei, ihn aus dem Amt zu zwingen. Auch von jeglichem Fehlverhalten will er nach wie vor nichts wissen. Seinen umstrittenen Antrag auf Begnadigung verteidigte er ebenfalls.
Hier sehen Sie das Video mit dem Kuscheltier:
Geschenkannahme und Gefälligkeiten stehen im Raum
Gegen Netanyahu läuft ein Prozess wegen Korruption. Dem Regierungschef und seiner Frau Sara wird zur Last gelegt, von Milliardären Geschenke – darunter Schmuck, Champagner und Zigarren – im Wert von mehr als 260.000 Dollar (222.869,88 Euro) im Gegenzug für politische Gefälligkeiten angenommen zu haben. Außerdem soll Netanyahu versucht haben, mit israelischen Medien eine für ihn günstige Berichterstattung auszuhandeln.
Drei Gerichtstermine pro Woche
Netanyahu ist der erste amtierende Ministerpräsident in der Geschichte Israels, der sich wegen Korruption vor Gericht verantworten muss. Das Verfahren läuft seit sechs Jahren, in jüngster Zeit muss der Regierungschef dreimal wöchentlich vor Gericht erscheinen. „Diese Farce kommt das Land teuer zu stehen“, meckerte Netanyahu in dem Video. „Das kann ich nicht hinnehmen – also habe ich eine Begnadigung beantragt.“ Vor wenigen Tagen hatte Netanyahu bei Israels Staatschef Isaac Herzog ein Begnadigungsgesuch eingereicht und dies damit begründet, der Prozess gegen ihn spalte das Land.
Bereits vor dem Überfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war Netanyahu unter massivem politischen Druck gestanden. Ein von seiner rechtsreligiösen Regierung vorangetriebener Umbau der Justiz löste monatelange Massenproteste aus. Trotz des durch das Massaker ausgelösten Gaza-Kriegs trieb die Staatsanwaltschaft das Korruptionsverfahren gegen Netanyahu in den vergangenen zwei Jahren weiter voran.
Vor wenigen Wochen hatte bereits US-Präsident Donald Trump den israelischen Präsidenten zur vorsorglichen Begnadigung seines Verbündeten Netanyahu aufgefordert.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.