In Wien gibt es die „Rote Box“, Salzburg hat eine Periodenservicestelle, in Innsbruck steht ein Ständer für Gratis-Menstruationsartikel – die gibt es auch in mehr als 270 Schulen in Österreich. Einzig in OÖ ignoriert die Bildungsdirektion diese Aktion. Eine Anfragebeantwortung offenbart jetzt, warum.
Zwei von zehn Frauen können sich laut Bericht des Gesundheitsministeriums Periodenartikel nur schwer leisten – da kommt eine Aktion des Bildungsministeriums (BMB) gemeinsam mit einer Drogeriekette gerade recht: In mehr als 270 Schulen in ganz Österreich werden jetzt Gratisartikel zur Damenhygiene angeboten – einzig Oberösterreich beteiligt sich nicht. Eine Anfrage der Grünen an die zuständige LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) offenbart nun, warum.
Peinlich ist vor allem, dass es für die anderen Bundesländer offensichtlich kein Problem war, bei dieser Aktion dabei zu sein.
Dagmar Engl, Frauensprecherin der Grünen OÖ
„Würde Begehrlichkeiten wecken“
Kurz gesagt: Die Bildungsdirektion hat schlicht kein Interesse an der Aktion. Denn obwohl sie am 15. September per E-Mail vom BMB darüber in Kenntnis gesetzt wurde, gab die Bildungsdirektion die Information nicht an die Schulen weiter. Man unterstütze „derartige Aktionen“ generell nicht, führt Haberlander aus. Denn: „Dies würde Begehrlichkeiten wecken, die mittel- und langfristig nicht gedeckt werden können.“ Zudem seien Menstruationsartikel ohnehin ab 1. Jänner 2026 umsatzsteuerbefreit und damit quasi erschwinglich.
Jugendlandtag forderte besseren Zugang
Für die Frauensprecherin der Grünen, Dagmar Engl, ist das „enttäuschend“. Nicht zuletzt sei im heuer erstmals stattgefundenen Jugendlandtag betont worden, dass der Zugang zu Menstruationsartikeln dringend verbessert gehöre.
Laut einer Erhebung der Arbeiterkammer müssen Frauen auf 40 Jahre bis zu 2640 Euro für Binden und Tampons ausgeben. Das Thema Frauenhygiene ist also finanziell durchaus relevant. Wenn Schülerinnen – zumal in Zeiten von Teuerung und anhaltend hoher Inflation – Gratis-Zugang zu diesen Artikeln erhalten, ist das objektiv gesehen eine Aktion, die vielen Menschen nützt.
In allen anderen Bundesländern wird das offenbar auch so gesehen, mehr als 270 Schulen machen dort mit. Dass ausgerechnet in OÖ im Bildungsbudget dafür kein Geld da sein soll, ist nichts weniger als ein Armutszeugnis für ein Land, deren maßgebliche Politiker so gerne suggerieren, wir wären die Nummer 1.
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