Geborgenheit

Wenn ein Geschenk weit mehr ist als ein Konsumgut

Vorarlberg
30.11.2025 11:56

Viele Menschen in Vorarlberg erleben Weihnachten nicht in Geborgenheit, sondern in Armut und Einsamkeit. Die Aktion „Wichtelchallenge“ erfüllt kleine Wünsche – und noch viel mehr. 

„So etwas Schönes habe ich noch nie bekommen.“ Das sagte ein Jugendlicher, als ihm zu Weihnachten ein Paket überreicht wurde, wie er es zuvor noch nicht gesehen hatte: sorgfältig verpackt, mit einer Grußkarte voller guter Wünsche versehen – und mit einem Geschenk darin, welches genau das traf, was er sich am meisten ersehnte. Für viele junge Menschen in Vorarlberg klingt das selbstverständlich, an Weihnachten werden eben Wünsche erfüllt. Für all jene, die in Einrichtungen wie der Jugendnotschlafstelle „anker“ Zuflucht finden, ist es das aber nicht.

Denn Weihnachten ist für zahlreiche Jugendliche im Land kein Fest der Geborgenheit, sondern ein Abend, der an Streit, Gewalt oder Einsamkeit erinnert. Genau hier setzt die sogenannte „Wichtelchallenge“ an – eine große österreichweite Solidaritätsaktion, bei der soziale Einrichtungen Wunschlisten veröffentlichen und Unterstützer die Geschenke für einzelne Menschen übernehmen können. Schenken mit Sinn also – und die Vorarlberger Beiträge zeigen, wie viel Sinn es macht. Heuer nehmen aus dem Ländle vier Organisationen teil: Neben der Jugendnotschlafstelle „anker“ sind das die „Aqua Mühle Vorarlberg“, die Kontakt- und Anlaufstelle „Ex und Hopp“ sowie das Kolpinghaus Götzis. Jede dieser Einrichtungen begleitet Menschen, die es im Leben besonders schwer haben – Menschen ohne Wohnung, mit Suchtproblemen, psychischen Belastungen oder ohne eine Familie, die sie auffängt.

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Wir erleben die Jugendlichen als sehr bescheiden. Bei größeren Wünschen fragen sie immer, ob sie das überhaupt einreichen dürfen.

Wir erleben die Jugendlichen als sehr bescheiden. Bei größeren Wünschen fragen sie immer, ob sie das überhaupt einreichen dürfen. Und wenn sie dann ihre Geschenke öffnen, spürt man, wie viel das für sie bedeutet. Vorfreude, Aufregung – und oft echte Rührung. Tatjana Tschabrun, „anker“-Leiterin

Die Jugendnotschlafstelle „anker“ in Dornbirn ist Anlaufstelle für Jugendliche in akuten Krisen – nach familiären Konflikten oder Gewalterfahrungen. Sechs Betten gibt es dort, warme Mahlzeiten, Duschen, Waschmöglichkeiten – und ein Team, das ein offenes Ohr und wenn nötig auch Unterstützung anbietet. Der 24. Dezember ist im „anker“ ein besonderer Tag. Die Jugendlichen kommen nicht nur, um ihre Geschenke abzuholen, sondern weil es einen liebevoll geschmückten Baum, ein mehrgängiges Weihnachtsmenü und eine Atmosphäre gibt, die zumindest ein wenig das „Gefühl von Weihnacht“ vermittelt. „Es kommen nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Jugendliche, die wir sonst über das Jahr begleiten und die an diesem Abend das Menü und die Stimmung genießen möchten“, sagt Tatjana Tschabrun, die „anker“-Leiterin.

Infos:

Alle Informationen zur Wichtelchallenge und die Wunschliste finden Sie auf: www.wichtelchallenge.at.

Auch die Caritas Vorarlberg hat eine ähnliche Aktion. Alle Infos unter: www.wirhelfen.shop.

Bescheidenheit, die einfach berührt
Auf der Wunschliste stehen Sneakers – manchmal sogar Special Editions -, Kleidung, Parfums, Handys, Kinogutscheine. Dinge, die für junge Menschen bedeuten, dazuzugehören. „Wir erleben die Jugendlichen als sehr bescheiden. Bei größeren Wünschen fragen sie immer, ob sie das überhaupt einreichen dürfen.“ In der Regel werden die Wünsche auch erfüllt. Für die Burschen und Mädchen, die alle damit kämpfen, den gesellschaftlichen Anschluss nicht zu verlieren, bedeutet diese „Wichtelchallenge“ letztlich auch, dass ihre Bedürfnisse einmal in den Mittelpunkt stellen dürfen. „Wenn die Jugendlichen ihre Geschenke öffnen, spürt man, wie viel das für sie bedeutet. Vorfreude, Aufregung – und oft echte Rührung“, erzählt Tschabrun. „So etwas Schönes habe ich noch nie bekommen“ – ein Satz, den keiner im „anker“-Team je vergessen wird.

Warum Spenden wichtig sind
Die „Wichtelchallenge“ ist ein Lichtstrahl und sie zeigt, wie bedeutend Spenden für Organisationen wie „anker“ sind. Denn die öffentliche Finanzierung ist knapp bemessen und deckt oft nur das Notwendigste ab. „Vor allem durch Spenden können wir Jugendlichen auch besondere Dinge ermöglichen und die sind dann oft besonders wirkungsvoll“, betont Tschabrun.

Ihr Appell: „Wenn wir in harten Zeiten darauf vergessen, dass es manche noch weit härter haben, bezahlen wir am Ende doppelt. Wir müssen uns bewusst sein, dass Zusammenhalt und Solidarität letztlich die Fundamente für eine gelingende Gesellschaft sind.“ Und genau darum geht es doch im Kern um Weihnachten: Andere in den Mittelpunkt zu stellen, ihnen Freude zu bereiten und zu vermitteln: Du bist mir etwas wert.

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