Philippe Herreweghe

Ein Pionier des Originalklangs zu Gast in Bregenz

Vorarlberg
29.11.2025 13:05

Das erste Bregenzer Meisterkonzert der Saison begeisterte das Publikum – es musizierte Philippe Herreweghe mit den beiden Klangkörpern Collegium Vocale Gent und dem Orchestre des Champs-Elysées – ein besonderes Erlebnis. 

Niemand weiß, wie die Musik zur Zeit eines Bachs, Mozarts oder Beethovens wirklich geklungen hat. Auch die großen Erneuerer des Originalklangs wie Nikolaus Harnoncourt oder Philippe Herreweghe nicht. Letzterer war am Donnerstag beim ersten Bregenzer Meisterkonzert der Saison im Festspielhaus zu Gast, mit den beiden von ihm ins Leben gerufenen Ensembles, dem Collegium Vocale Gent (gegr. 1970) und dem Orchestre des Champs-Elysées (gegr. 1991).

Nur durch diese langjährige Verbundenheit ist zu erklären, dass dieses Konzert gut, sogar begeisternd gelang. Denn die Aktionen des Dirigenten waren minimal, über weite Strecken nahm man lediglich Bewegungen des Unterarms und der Hände war, oft über Takte nicht einmal das. Und das bei einer so großen Symphonie wie Beethovens „Dritter“ und dem Requiem in c-Moll von Luigi Cherubini für Orchester und vierstimmig gemischtem Chor.

Diese Totenmesse wird in unseren Breiten selten aufgeführt, wohl weil sie an Farbigkeit und Dramatik nicht an die großen Werke der Gattung von Mozart und Verdi herankommt. Doch das war im Sinne Luigi Cherubinis, der, dem Stil der Reformopern Christoph Willibald Glucks folgend, auf Schlichtheit setzte. Vor allem gilt dies für den Chorsatz, den das Collegium Vocale Gent klangschön gesungen hat, wobei etwas mehr Arbeit an der Textverständlichkeit nicht übertrieben gewesen wäre.

Ungewohnte Klangwelten
Das Orchestre des Champs Elysées spielte wundervoll. Als eines der ersten französischen Orchester des Originalklangs verwendet es Naturhörner und -trompeten , Traversflöten und harte Paukenschlegel. Zusammen mit dem tendenziell vibratoarmen Spiel der Streicher ergibt das eine ganz neue Klangbalance, in der die Hörner wirklich schmettern, der Flötenklang sehr weich ist, hingegen die Pauken richtig knallen können. Der „Eroica“ Beethovens verlieh das eine durchaus ungewohnte Klangwelt. Wie immer man über den verborgenen Inhalt dieser Sinfonie denkt, Ausdruck und Dramatik bestimmten hier das Geschehen, aber im Gegensatz dazu auch Weiches und Zartes. Ein Höhepunkt nicht nur dieses Konzertes! 

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