Do, 21. Juni 2018

Wird alles gut?

15.12.2005 07:59

"Die meisten Dinge wenden sich zum Besten"

Der Blick in die Zukunft offenbart häufig eine düstere Welt. Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx beschreibt das Morgen dagegen vor allem in bunten Farben - nach Ansicht seiner Kritiker in allzu leuchtenden. "Ich bin ein gnadenlos illusionsloser Optimist", sagt der 50 Jahre alte Soziologe und Publizist.

"Wenn ich mir die grundlegenden Trends auf diesem Planeten anschaue, dann sehe ich, dass sich langfristig - unter großen Schwierigkeiten - die meisten Dinge zum Besten wenden."

Das apokalyptische Weltbild sei jedoch viel bequemer, betont der Autor von nahezu 20 Büchern ("Die wilden Achtziger" (1987), "Wie wir leben werden. Unsere Zukunft beginnt jetzt" (2005)). "Da kann man nämlich jammern, Schuld zu- und Verantwortung von sich weisen." Düster wird Horx dann aber doch, wenn er von der Gefahr der mentalen Grundhaltung der "faulen Pessimismen" spricht, die "nur die eigene moralische Gutmenschenhaltung streicheln, statt richtig hinzuschauen". Damit erzeugten sie den Untergang, den sie eigentlich bekämpfen wollten. "Das ist ein echtes Standort-Problem."

Anfang der 90er Jahre, der Zeit der "marketingorientierten Dienstleistungen und der Jugendkulturen", gründete Horx gemeinsam mit Prof. Peter Wippermann ein Trendbüro in Hamburg. Sein sozialwissenschaftliches Interesse an "den großen Zyklen, den Megatrends, der Globalisierung und an politischen Fragen" habe ihn rund vier Jahre später dazu gebracht, sich von der Konsumforschung abzuwenden und sein eigenes Institut - als "eine Art Schwesterfirma" - zu gründen. Das Zukunftsinstitut auf dem Zauberberg im idyllischen Kelkheim - nahe Frankfurt - versteht sich als "Think Tank" (Expertenkommission).

Mit der Großstadt Frankfurt verbindet Horx neben seiner Studienzeit, auch seine journalistische Arbeit für das von dem heutigen grünen Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit herausgegebene linke Spontiblatt "Pflasterstrand". Später schrieb Horx für "Tempo", "Die Zeit" und "Merian". Mit der alternativen Szene wurde er bis in die 80er Jahre verbunden, später warfen ihm Kritiker vor, er schlage sich auf die Seite einer Arbeitnehmer-Elite. "Das ist der übliche ideologische Quatsch, die übliche Interessensprojektion", meint Horx.

Vor allem aus privaten Gründen haben Horx und seine Frau - die englische Journalistin Oona Horx-Strathern - gemeinsam mit ihren Kindern (8, 12) den Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt, die nach der Öffnung des Ostens "neue europäische Zentrumsstadt". "Wir sind ein typisches Beispiel für Bildungsmigration: Eltern ziehen um, um ihren Kindern bessere Schulchancen zu bieten." In Wien gebe es viele englisch- und deutschsprachige staatliche Schulen.

Die private und berufliche Nähe zum englischsprachigen Raum - Horx ist häufig in London und in den USA unterwegs - spiegelt sich auch in seinen von manchen verspotteten Wortschöpfungen wieder, so etwa Gourmet Gardening (Verfeinerung des Gärtnerns mit Stars) oder Selfness (Selbstveränderungskultur). "Ein Teil des Trendforscher- Handwerks ist es, Begriffe zu schöpfen", erläutert Horx. "Weil die englische Sprache sehr viel mehr prozesshafte Charaktere beschreiben kann, sucht man natürlich da."

2006 wird der Zukunftsforscher voraussichtlich auch häufiger in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam sein, als Dozent an der neuen privaten University of Management and Communication. Wenn er einmal nicht "Denkarbeit macht", Vorträge hält oder reist, läuft er gerne oder sammelt Pilze. Außerdem züchtet Horx Rosen.

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