Seit 1817 pilgert die Wiener Musikszene, besonders aus dem Bereich der Klassik, zum Musikhaus Doblinger. Doch nun droht der Institution der unverschuldete Verlust des geschichtsträchtigen Standorts in der Dorotheergasse im ersten Bezirk.
Wer in und um Wien Musik macht, der kommt über kurz oder lang mit dem Musikhaus Doblinger in Berührung. Das Geschäft ist in Wien eine Institution: Ensemblemitglieder der größten Orchester, Chöre und andere Kulturbetriebe kaufen dort ebenso ihre Notenblätter wie Musikschüler. Das Repertoire umfasst aber auch Pop- und Jazz-Noten, Literatur und vieles mehr.
Im Zuge der Corona-Pandemie musste der Betrieb wie viele in der Kulturszene Einbußen hinnehmen. Es folgte ein Besitzerwechsel, das Musikhaus in der Dorotheergasse wurde verkauft. Das Verlagsgeschäft blieb bis Jänner 2025 in den Händen von Peter Pany, dem Erben der Doblinger-Dynastie. Dann erfolgte der Verkauf des Verlagsgeschäfts an die Wise Music Group mit Sitz in London.
Fixpunkt der Wiener Musikszene
Für die Wiener Musikszene war und ist allerdings seit jeher der Geschäftsverkauf in der Dorotheergasse eine fixe Anlaufstelle. Das Musikhaus Doblinger befindet sich seit 1876 an jenem Standort, auch Touristen statten dem Traditionsunternehmen der Musikstadt Wien immer wieder einen Besuch ab. Doch nun könnte mit dem Musikalienhandel ein weiterer Traditionsbetrieb von der Bildfläche verschwinden.
Hintergrund: Der Eigentümer des Hauses, eine Wiener Privatstiftung aus dem Umfeld eines Finanzdienstleistungsunternehmens, beabsichtige keine Verlängerung des Mietvertrags, wie die Krone“ aus Doblinger-Kreisen erfuhr. Trotz anderslautender Vereinbarungen wurde gekündigt, bis Ende des Jahres will man das Musikhaus raushaben. Die Causa beschäftigt auch bereits die Gerichte, da sich die Betreiber des Geschäfts nun zur Wehr setzen.
Umzug aktuell kaum zu stemmen
Das Musikhaus verfügt aktuell über einen Lagerbestand von 430.000 Artikeln, ein Umzug würde mit Kosten von rund 300.000 Euro die Möglichkeiten des Betriebs deutlich übersteigen. Dennoch versucht man aktuell, händeringend einen neuen Standort sowie Unterstützer für den Neustart zu finden. Denn selbst bei einem juristisch positiven Ausgang fürchtet man weitere Repressalien am bestehenden Standort.
Gelingt der Standortwechsel nicht, so droht dem Musikhaus Doblinger – das nun seit der Übernahme nach vier Jahren wieder deutlich schwarze Zahlen erwirtschaftete – das unverschuldete Ende. Und den zehn Mitarbeitern der Jobverlust – in einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen.
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