Nur ein kleiner Tropfen Blut, und doch lassen sich daraus große Erkenntnisse gewinnen. Diese Untersuchungsmöglichkeit in der Vorsorgemedizin wird oft unterschätzt, ist aber enorm aussagekräftig. Und sie kann Leben retten! Denn wer seine Werte kennt, hat die Chance, Krankheiten früh zu erkennen und gegenzusteuern.
„Das Blutbild gibt uns einen Überblick darüber, wie das Blut zusammengesetzt ist“, erklärt der Wiener Allgemeinmediziner und Vorsorge-Experte Dr. Christian Maté. Wir nehmen die wichtigsten Werte genauer unter die Lupe, beginnend mit dem sogenannten „kleinen Blutbild“. „Im kleinen Blutbild schauen wir uns vor allem die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen an“, erläutert der Vorsorge-Spezialist.
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Hämoglobin und Hämatokrit
Diese Werte sind entscheidend für den Sauerstofftransport. Wenn sie zu niedrig sind, sprechen wir von einer Blutarmut – häufig verursacht durch Eisenmangel, Vitaminmangel oder Blutverlust.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
Diese gehören zum Immunsystem. Bei Infektionen oder Entzündungen steigen die Werte an. Sind sie zu niedrig, kann das auf eine Abwehrschwäche oder die Wirkung bestimmter Medikamente hinweisen.
Blutplättchen (Thrombozyten)
Sie sind für die Blutgerinnung wichtig. Zu niedrige Werte erhöhen die Blutungsneigung, zu hohe Werte können das Risiko für Blutgerinnsel steigern.
Differentialblutbild: Wer kämpft gerade im Immunsystem?
„Das Differentialblutbild ergänzt das kleine Blutbild und zeigt, wie sich die verschiedenen Arten der weißen Blutkörperchen zusammensetzen“, erklärt Dr. Maté. Neutrophile Granulozyten zeigen sich bei bakteriellen Infektionen erhöht, Lymphozyten steigen oft bei Virusinfektionen an. Eosinophile Granulozyten können bei Allergien, Asthma oder Parasitenbefall einen höheren Wert als üblich zeigen. Monozyten und Basophile spielen eine Rolle bei speziellen Immunreaktionen.
Mit diesem Blutbild ist es möglich, die Ursache von Infektionen oder Entzündungen besser einzugrenzen.
CRP und Blutsenkung: Entzündungen auf der Spur
„CRP ist ein sehr empfindlicher Entzündungswert“, betont der Vorsorge-Experte. „Er steigt rasch an, wenn im Körper eine akute Entzündung, Infektion oder Gewebeschädigung besteht. Wir nutzen ihn auch, um den Verlauf einer Entzündung zu kontrollieren – etwa ob eine Behandlung wirkt. Aber: Ein erhöhter CRP-Wert sagt nicht, wo genau die Entzündung sitzt oder welche Ursache ihm genau zugrunde liegt.“
Die Blutsenkung misst, wie schnell die roten Blutkörperchen in einem Röhrchen absinken. „Diese, auch BSG genannt, ist dagegen unspezifischer und reagiert langsamer als das CRP“, ergänzt er. „Erhöhte Werte finden wir oft bei chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Tumoren. In der Vorsorge dient sie als grober Hinweis auf länger bestehende Entzündungsprozesse im Körper.“
Nierenwerte im Blick durch Kreatinin und GFR
„Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus der Muskulatur und wird über die Nieren ausgeschieden“, erklärt Dr. Maté. „Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist, steigt der Wert an. Aber Vorsicht: Der Wert hängt auch von der Muskelmasse ab! Menschen mit viel Muskulatur haben oft höhere Werte, ohne krank zu sein.“
Laborwerte sind Momentaufnahmen. Kleine Abweichungen haben oftmals nur harmlose Ursachen.

Dr. Christian Maté, Allgemeinmediziner in Wien
Bild: Eva Manhart
Die GFR beschreibt, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern. „Die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate stellt den wichtigsten Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion dar“, erläutert der Hausarzt. „Hohe Werte sprechen für normale Nierenleistung, sinkende Werte zeigen eine Einschränkung an. Sehr niedrige Werte deuten auf eine schwere Nierenerkrankung hin.“
Leberwert Gamma-GT: Frühwarnsystem im Körper
Die Gamma-GT ist ein Enzym, das vor allem in der Leber und den Gallenwegen vorkommt. Dr. Maté: „Sie ist ein empfindlicher Leberwert. Schon leichte Erhöhungen können auf Alkohol, bestimmte Medikamente oder eine Leberbelastung hinweisen, eben darauf, dass die Leber stärker arbeiten muss. Dieser Wert lässt sich auch gut zur Verlaufskontrolle bei bekannten Leberproblemen nutzen.“
Nüchternblutzucker: Diabetes erkennen
Der Nüchternblutzucker misst den Blutzuckerspiegel nach mindestens acht Stunden ohne Nahrungsaufnahme – ein wichtiger Wert zur Früherkennung von Diabetes mellitus! „Leicht erhöhte Werte können auf eine Vorstufe des Diabetes hinweisen, während deutlich erhöhte Werte für eine Zuckerkrankheit sprechen, insbesondere wenn sie mehrfach gemessen werden“, macht der Arzt klar.
Cholesterinwerte: Risiko für Herz und Gefäße
„Die Cholesterinwerte geben Auskunft über den Fettstoffwechsel und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt Dr. Maté. Das Gesamtcholesterin liefert einen Überblick. LDL-Cholesterin gilt als ungünstig, weil es sich in den Gefäßwänden ablagern kann. Ein hohes HDL-Cholesterin hingegen ist mit einem niedrigeren Herz-Kreislauf-Risiko verbunden und daher günstig.
Triglyzeride sind Blutfette, die häufig bei Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes oder hohem Alkoholkonsum erhöht sind. Für die Vorsorge ist vor allem das Zusammenspiel der Werte entscheidend.
TSH: Die Schilddrüse im Blick
„TSH ist ein Steuerhormon, das die Schilddrüse reguliert“, erklärt der Vorsorgemediziner. „Ein erhöhter TSH-Wert weist meist auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin, bei der der Stoffwechsel verlangsamt ist. Ein erniedrigter TSH-Wert spricht eher für eine Schilddrüsenüberfunktion mit beschleunigtem Stoffwechsel. Der TSH-Wert eignet sich hervorragend zur Früherkennung von Schilddrüsenerkrankungen.“
Vergessen Sie aber vor aller Zahlen nicht: Laborwerte sind lediglich Momentaufnahmen. Leichte Abweichungen haben oft harmlose Ursachen. „Erst die Kombination aus mehreren Laborwerten, Beschwerden, Vorerkrankungen und ärztlicher Beurteilung erlaubt eine zuverlässige Einschätzung“, betont der Mediziner.
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