Projekt in Thüringen

Junge Arbeitslose bald zu Billig-Arbeit gezwungen

Deutschland
03.11.2025 21:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im deutschen Bundesland Thüringen ist ein Projekt gestartet, das junge „Faulenzer“ zum Arbeiten motivieren soll. Bürgergeld-Empfänger werden dabei zur Arbeit gezwungen – und das bei extrem niedrigem Stundenlohn.

Es ist ein Pilotprojekt, das für Aufmerksamkeit sorgt: In Nordhausen in Deutschland müssen Menschen unter 25, die Bürgergeld beziehen, künftig arbeiten – ob sie wollen oder nicht. Bis zu 40 Stunden pro Woche werden sie in Werkstätten gemeinnütziger Vereine, im Bauhof oder bei der Pflege von Grünanlagen eingesetzt. Dabei verdienen sie 1,20 Euro pro Stunde. Vorerst soll das Projekt für drei Monate laufen.

„Müssen den Jungen Druck machen“
Die neue Maßnahme ist umstritten. Der Landrat des Landkreises Nordhausen, Matthias Jendricke, verteidigt das Vorhaben und sagt im Interview mit der deutschen Zeitung „Welt“: „Wir dürfen die Unter-25-Jährigen nicht aufgeben. Wir müssen ihnen Druck machen. Eine Ausbildung aussuchen – und wenn sie das nicht machen, dann werden sie in eine Ein-Euro-Maßnahme gesteckt.“

Teilnahme fiel mager aus
In Nordhausen würden rund 220 Personen für das Projekt infrage kommen. 60 von ihnen sind „schwere Fälle“ von Jugendlichen ohne Beschäftigung. Die tatsächliche Teilnahme war jedoch gering – von den 60 geladenen Jugendlichen sind am Ende nicht einmal 30 erschienen.

Landrat: Eltern müssen mehr Verantwortung übernehmen
Die Teilnehmer behalten während des Projekts weiterhin ihren Anspruch auf Bürgergeld. Bei einer Weigerung drohe allerdings eine Kürzung um zehn Prozent. „Leider dürfen wir nicht mehr kürzen“, meint Jendricke. Er bemängelt auch, dass die Eltern dieser Jugendlicher nicht genug Verantwortung für ihre Kinder übernehmen würden.

Was ist Bürgergeld?

Seit 2023 gibt es in Deutschland das Bürgergeld, eine Form der staatlichen Grundsicherung. Damit wurden die bisherigen Leistungen „Hartz IV“ und „Sozialgeld“ abgelöst. 

Ziele des Bürgergelds:

  • Existenzsicherung: Essen, Unterkunft, ...
  • Arbeitslose in den Arbeitsmarkt eingliedern
  • Bildung: Für Kinder und junge Erwachsene gibt es zusätzliche Leistungen und Bildungsangebote

Wer hat Anspruch auf Bürgergeld?

  • Personen, die mindestens 15 Jahre alt sind
  • Erwerbsfähige Menschen mit Wohnsitz in Deutschland
  • Hilfsbedürftige

Die Höhe des Bürgergelds variiert je nach Lebenssituation. Für alleinstehende Erwachsene beträgt der Regelsatz rund 560 Euro pro Monat, die Kosten für das Wohnen sind dabei nicht mit einberechnet.

„Züchten eine Generation von Faulenzern“
Der SPD-Politiker spricht bei jungen Bürgergeld-Beziehern von einer „Generation von Faulenzern“, die dafür bezahlt werde, dass sie zu Hause bleibe. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Am Ende führen solche Sozialhilfekarrieren oft in Suchterkrankungen.“ Aus diesem Grund brauche es Sanktionen wie diese.

Ob das Modell fortgesetzt oder ausgeweitet wird, hängt nach Angaben des Landkreises davon ab, wie viele der Teilnehmer in Ausbildung oder Beschäftigung vermittelt werden können.

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