Die guten Manieren vergessen im Straßenverkehr so einige. Bei Konflikten werden dann schon mal derbere Ausdrücke benutzt, um Frust abzulassen. Am häufigsten werden hierzulande laut einer Umfrage die Begriffe „Trottel“ oder „Volltrottel“ benutzt (19 Prozent), sehr beliebt ist aber auch das Benennen des menschlichen Hinterteils (17 Prozent). Das zeigten die Ergebnisse der Befragung der Präventionsinstitution KFV am Freitag.
Auf Platz drei der am häufigsten benutzten Schimpfwörter liegen „Idiot/Vollidiot“ gleichauf mit „Depp/Deppada/Deppert“ (je zwölf Prozent). Drei Prozent fragen sarkastisch nach, ob der „Führerschein gewonnen“ wurde oder geben einen Bildungsauftrag weiter: „Lern Autofahren“ (je drei Prozent). Neben noch derberen Begriffen wird auch „Koffer/Vollkoffer“ geschimpft, ebenso wie „Oida“ (je drei Prozent). Zwei Prozent ermuntern zur schnelleren Fortbewegung mit „Fahr schon/Fahr doch/Fahr weiter“.
Beim Verwenden der Kraftausdrücke sei jedoch Vorsicht angebracht. „Wer eine Person in der Öffentlichkeit vor mehreren, also vor mindestens drei Leuten, beleidigt, kann sich dadurch strafbar machen. Oder die Beschimpften kränken bzw. ärgern sich derart stark darüber, dass es zu einer Erhöhung der Unfallgefahr kommt“, sagte Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheit im KFV. Zudem könne aus verbaler Gewalt auch körperliche werden.
Spannungen nahmen zu
Besonders ärgern sich Verkehrsteilnehmer über zu schnelle Autofahrer (66 Prozent), gefolgt von Personen, die nicht blinken (62 Prozent) oder bei Gelb in eine Kreuzung einfahren (59 Prozent). Bei Radfahrenden wird am häufigsten negativ bewertet, dass sie auf dem Gehsteig fahren, sich bei Autos durchschlängeln (je 52 Prozent) – was übrigens das einzig erlaubte Ärgernis darstellt – oder beim Abbiegen kein Handzeichen geben (51 Prozent).
Die Spannungen im Straßenverkehr hätten demnach in den vergangenen fünf Jahren zugenommen. Das zeigte die Studie unter 2260 befragten Personen zwischen 15 und 75 Jahren. Als Grund wird mehr Stress sowie Unaufmerksamkeit und Ablenkung angeführt. Die häufigsten Konflikte gibt es laut den Befragten zwischen Auto- und Radfahrenden (68 Prozent), zwischen Pkw-Lenkern (55 Prozent) sowie zwischen Auto- und E-Scooter-Fahrenden (44 Prozent).
E-Scooter, E-Bikes und Fahrräder veränderten das Straßenbild
Auch das Straßenbild habe sich in den vergangenen Jahren vor allem durch E-Scooter, E-Bikes und Fahrräder deutlich verändert. „Wenn man bedenkt, dass sich heute all diese teils recht unterschiedlichen Fahrzeuge zeitgleich auf denselben Strecken bewegen, kann man diese Wahrnehmung nicht von der Hand weisen. Leider kommt es dabei auch immer wieder zu Konflikten“, sagte Robatsch.
Tatsächlich ist in dieser Gruppe auch das Unfallvermeidungspotenzial besonders hoch. Die Anzahl der Verletzten bei Benutzern von E-Scootern, E-Bikes und Fahrrädern stieg rapide an. Alleine im Vorjahr sind bei diesen einspurigen Fahrzeugen insgesamt 45.000 Menschen verletzt und 39 Personen getötet worden. Das KFV fordert unter anderem deshalb eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, wie etwa breitere Radfahranlagen oder einen Ausbau der vom Kfz-Verkehr getrennten Radinfrastruktur.
In diesem Jahr dürfte die Zahl der Getöteten generell aufgrund des bisherigen Jahresverlaufs nochmals deutlich übertroffen werden, so das KFV. Auch bei der Gesamtzahl der tödlich verunglückten Personen im Straßenverkehr dürfte das Ziel der österreichischen Verkehrssicherheitsstrategie von maximal 310 Getöteten bis Jahresende klar verfehlt werden, wie es in der Aussendung hieß. Laut Prognose könnten heuer 369 Frauen, Männer und Kinder ihr Leben im Straßenverkehr verlieren.
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