Nur zwei Jahre nach ihrem letzten Album kommen die schwedischen Vollblut-Rocker The Hives mit ihrem neuen Meisterwerk „The Hives Forever, Forever The Hives“ um die Ecke und spielen so befreit auf, als hätten wir 2004. Frontmann Pelle Almqvist gibt uns im Talk nähere Einblicke – und am 26. Oktober folgt ein Livekonzert im Wiener Gasometer.
Den Titel, die „beste Liveband der Welt“ zu sein, reklamieren so einige Combos für sich. Während aber etwa die Ärzte seit Jahren regelmäßig beweisen, dass diese Bezeichnung bei ihnen einer übertriebenen Form von Selbstironie zuzurechnen ist, liefern die schwedischen Garage-Rock-Rabauken The Hives regelmäßig ab. Zuletzt etwa bei ihrem feurigen Nachmittagsauftritt beim Lido Sounds Festival in Linz 2024 – damals ihr erstes Österreich-Stelldichein nach neun Jahren Abwesenheit. In ihren markanten schwarzweißen Anzügen gewandet, lieferten sie eine atemberaubende Hit-Revue, die sich mit Songs des 2023er-Comebackalbums „The Death Of Randy Fitzsimmons“ verstärkten - ein Werk, das durchaus das Feuer der alten Tage mit einer gegenwärtigen Entspanntheit vermischte und damit auch die gestrengen Kritiker großer Musikmagazine zufriedenstellte.
Mit und bei großen Namen
Ein gutes Statement nach längerer Schaffenspause, aber doch noch nicht ganz das, was sich die Fans von ihren skandinavischen Lieblingen erwarten. Die Rückkehr zur Essenz der Band folgt zwei Jahre später auf dem dieser Tage erscheinenden, siebenten Studioalbum „The Hives Forever, Forever The Hives“. Die zwölf Songs hat man abwechselnd in Yung Leans Year0001’s und im Riksmixningsverket-Studio von ABBAS Benny Andersson aufgenommen, als Produzenten fungierten der langjährige Partner Pelle Gunnerfeldt und niemand Geringerer als Mike D von den Beastie Boys. Selbst Stoner-Rock-Urgestein Josh Homme von den Queens Of The Stone Age hat sich aktiv am neuen Meisterwerk verewigt. „Wir wollten ein Hives-Arena-Album erschaffen“, gab die Band in einem Interview bekannt, „das haben wir davor noch nie ausprobiert. Wir haben die Konzerte mit den Rolling Stones und AC/DC geliebt, warum also nicht auch zwölf Hits auf ein Album geben?“
Die nonchalant zur Schau gestellte Arroganz und das überbordende Selbstbewusstsein gehören zu den Hives wie das Amen zum Gebet. Mit dem Drittwerk „Tyrannosaurus Hives“ gelang ihnen 2004 der globale Durchbruch. Passenderweise zu einer Zeit, als erdige Garage-Rock-Sounds mit Punk-Einflüssen gerade für den bislang letzten großen Gitarrentrend der Musikhistorie sorgten. Gemeinsam mit Bands wie den Strokes, den White Stripes, den Dandy Warhols oder dem Black Rebel Motorcycle Club gab man einer totgeglaubten Szene wieder den Biss zurück, der seit den Ausläufen des Grunge fehlte. „Jeden Abend volle Energie zu geben, das war immer unser Ding“, erzählt Frontmann Pelle Almqvist der „Krone“ im Gespräch, „wenn wir auf Festivals zu Gast sind, sollen die anderen Bands Angst vor uns haben. Bei jedem Livekonzert geben wir so viel, dass wir uns komplett selbst zerstören und vor dem nächsten Auftritt wieder langsam aufbauen müssen.“
Generationsübergreifende Rockband
„The Hives Forever, Forever The Hives” ist nicht nur das erste Album der Schweden, das nur zwei kurze Jahre nach dem letzten entstand, es ist eine unwiderstehliche Reise in die frühen Tage der Band und bringt eine kompromisslose Energie aufs Parkett, die man von Musikern kurz vor ihrem 50er so nicht erwarten würde. Die Single „Enough Is Enough“, „Bad Call“ oder „Legalize Living“ rocken so forsch und vulgär vorneweg, dass man sich nach dem ersten Gesamteindruck erst einmal sammeln muss. „Mit jedem neuen Album kommen junge Fans dazu. Neben den neuen Fans muss man auch die alten zufriedenstellen und vor allem sich selbst. Mittlerweile fühlt sich diese Band ein bisschen an wie die Ramones. Wir wissen Bescheid über unsere Klassiker und unser Vermächtnis, haben aber noch genug Feuer, um auch heute noch solche Songs schreiben zu können. Eine Band zu haben, die Menschen mehrerer Generationen begeistert, ist eine richtig coole Sache.“
Die Hauptproduktion für das neue Album übernahm die Band selbst, Mike D konnte man zumindest für zwei aktive Tage nach Stockholm locken. Die flotte Ausrichtung ist nicht nur einer wiedergewonnenen Motivation, sondern auch der beständigen Vertrautheit untereinander geschuldet. „Wenn du eine Rockband hast, dann spielst du so oft wie möglich, alles andere macht doch keinen Sinn. Live auf der Bühne zu stehen, macht so viel Spaß wie nichts anderes auf der Welt und wenn man dann auch noch richtig gute neue Songs im Köcher hat, potenziert sich dieser Spaß um ein Vielfaches. Wir kennen auch einige Bands aus den 2000er-Jahren von damals, die sich zwischendurch zu lange aufgegeben haben und zu denen keine neue Generation an Fans nachkommt. Das nimmt auch den Musikern viel Drive. Wir sind froh, dass wir dieses Problem nicht haben.“ Die Hives selbst haben sich niemals einer bestimmten Szene zugehörig gefühlt. „Wir kommen aus der Punk- und Hardcore-Ecke und sind dann immer mehr Richtung Rock’n’Roll gerutscht. Es ist aber schön zu sehen, dass wir offenbar viele andere inspirieren konnten.“
Vertraut, aber doch neu
„The Hives Forever, Forever The Hives” ist das genaue Gegenteil einer gesättigten Altherrenband, die bereits mehr als 30 Jahre Karriere auf den Buckel geschnallt hat. Vom eruptiven Songwriting über die kollektive Band-Liveaufnahme bis hin zur ausgeklügelten und trotzdem sehr rohen Produktion fügen sich alle Details wie Zahnräder zusammen und sorgen im Spätsommer für ein Album, das gut und gerne auch von einer Runde von Mittzwanzigern hätte eingespielt werden können. „Wir wollten immer eine eigene musikalische Identität haben, uns aber auch nicht dauernd selbst kopieren“, so der Frontmann weiter, „wir verstellen uns nicht neuen Grooves oder einem Drum-Beat, den wir vor zwei Jahren noch nicht gehabt hätten. Am besten ist es, wenn es sich vertraut und doch auch neu anfühlt.“ Hits gibt es auf dem Album zuhauf, auch wenn man sie nur ironisch so plant. „In Wirklichkeit wissen wir natürlich nie, was aufgeht und was nicht. Ich habe schon zu Beginn unserer Karriere ganz andere Songs als Hits gesehen als die Fans. Insofern ist es also gut, wenn die Leute entscheiden.“
Live in Wien
Von den fulminanten Live-Qualitäten der Hives samt den Songs des neuen Albums kann man sich heuer endlich auch wieder in Wien überzeugen. Am 26. Oktober (Nationalfeiertag) spielen Pelle Almqvist und Co. im Wiener Gasometer. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und weitere Infos. Es schadet wohl nicht, beim Ticketkauf schnell zu sein.
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