Völkermord droht

UNO: Zentralafrika "versinkt im totalen Chaos"

Ausland
27.11.2013 12:26
Die Zentralafrikanische Republik "versinkt vor unseren Augen im totalen Chaos", warnt UN-Vizegeneralsekretär Jan Eliasson. Ein Bürgerkrieg, der in Völkermord münden werde, stehe demnach kurz bevor. Seit dem Sturz von Präsident Francois Bozize im März ziehen Rebellen raubend, vergewaltigend und mordend durchs Land. Am Mittwoch hat daher die frühere Kolonialmacht Frankreich angekündigt, 1.000 zusätzliche Soldaten in das Krisenland zu entsenden.

Im März machte sich die Rebellenallianz Seleka vom vornehmlich muslimischen Norden der Zentralafrikanischen Republik, die ansonsten vornehmlich von Christen bewohnt wird, auf in die Hauptstadt Bangui im Süden. Dort entmachteten die Rebellen Präsident Bozize, der 2003 seinerseits durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war.

Seleka-Anführer Michel Djotodia ernannte sich nach Bozizes Absetzung selbst zum Präsidenten, ordnete im September allerdings die Auflösung der Seleka an. Die Rebellen verüben davon unbeeindruckt aber weiterhin Attacken.

Rebellen wollen Macht und Geld
Im Kampf gehe es nicht nur um politische Macht, sondern auch um viel Geld, erklären Menschenrechtsorganisationen. Obwohl die Zentralafrikanische Republik eines der ärmsten Länder der Welt ist, ist sie reich an Bodenschätzen. Außerdem werden viele landwirtschaftlichen Produkte exportiert, etwa Kaffee und Holz.

Vergewaltigung, Raub, Mord
Unter dem Kampf darum hat vor allem die Zivilbevölkerung zu leiden. Die Seleka würden vergewaltigend, raubend und mordend von Dorf zu Dorf ziehen, berichtet unter anderem Human Rights Watch. In den letzten Monaten hätten sich Selbstverteidigungsgruppen, meist aus der christlichen Bevölkerung, gebildet, was allerdings noch mehr Gewalt in Form von Racheakten ausgelöst habe.

Hunderte Häuser und ganze Dörfer wurden zerstört, rund 400.000 Menschen sind mittlerweile auf der Flucht, so die UNO. Wie viele Menschen getötet wurden, ist derzeit schwer einzuschätzen, da viele Angriffe in abgelegenen Landesteilen stattfanden.

Malaria-Krise bahnt sich an
Daneben bahnt sich eine weitere schwere humanitäre Krise an: Bereits jetzt halten sich nach Angaben des Roten Kreuzes Zehntausende Menschen im Land versteckt, wo sie kaum Zugang zu Nahrung und sauberem Trinkwasser haben. So breitet sich die Malaria rasend schnell aus, die medizinische Versorgung ist jedoch äußerst mangelhaft.

Frankreich entsendet weitere Truppen
Um die Gewalt einzudämmen, befinden sich seit Längerem 2.500 afrikanische Truppen im Land - doch sie müssen dem Versinken der Zentralafrikanischen Republik im Chaos weitgehend macht- und hilflos zusehen. Dies will Frankreich nun ändern, indem es die 450 bereits im Land stationierten Soldaten um 1.000 aufstockt. Ziel sei eine Unterstützung der Friedenstruppen aus den afrikanischen Staaten für etwa sechs Monate, kündigte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Dienstag in Paris an.

UNO: Land als Brutplatz für Extremisten
Der französische Einsatz soll durch eine neue Resolution des UNO-Sicherheitsrates legitimiert werden. Ein Entwurf wird seit Montag in New York diskutiert, die Entscheidung soll bis Ende nächster Woche fallen. UN-Vizegeneralsekretär Eliasson warnte die Mitgliedsstaaten, dass Zentralafrika im Begriff sei, sich zu einem Brutplatz für Extremisten und bewaffnete Gruppen zu entwickeln. "Die Situation könnte in einen religiösen und ethnischen Konflikt mit langjährigen Konsequenzen und sogar einen Bürgerkrieg ausarten, der auf die Nachbarländer übergreift."

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