Sorge um Franziskus

Staatsanwalt: Mafia hat es auf den Papst abgesehen

Ausland
14.11.2013 12:18
Einem italienischen Staatsanwalt zufolge schwebt Papst Franziskus in Gefahr: Da das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mit Korruption Schluss machen wolle, sei Franziskus ins Fadenkreuz der Mafia geraten, warnt Nicola Gratteri.

Gratteri ist unter anderem für seinen Kampf gegen Kalabriens Mafia, die skrupellose 'Ndrangheta, bekannt. Nun berichtet er in der italienischen Zeitung "Il Fatto Quotidiano", dass Franziskus viele Mafiosi mit seiner Aufräumaktion in der Kirche "nervös macht und in Aufregung versetzt". Schließlich mache die Mafia mit korrupten Prälaten Geschäfte.

"Papst Franziskus nimmt die Zentren der ökonomischen Macht im Vatikan auseinander", so Gratteri, das mache den Mafiabossen Sorgen. Ob sie dem Kirchenoberhaupt etwas antun könnten, wisse er zwar nicht, "aber sie denken auf jeden Fall darüber nach. Sie könnten gefährlich sein."

Wunsch nach "armer Kirche"
Franziskus hat bereits mehrfach mit seinem Wunsch nach einer "armen Kirche für die Armen" aufhorchen lassen. Er lebt diesen Grundsatz auch vor: Er verzichtet auf prachtvolle Kleidung, wohnt weiterhin im einfachen Gästehaus statt im Apostolischen Palast, reist bescheiden und wählt Gebrauchtwagen und Bus statt Limousine.

Frischer Wind auch in Vatikanbank
Wichtiger für die Kirche dürften aber seine geplanten Reformen sein, darunter jene der seit Jahren wegen Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfen heftig umstrittenen Vatikanbank IOR. So strich Franziskus etwa die Boni der Kardinäle an ihrer Spitze, setzte eine unabhängige US-Firma auf die Überprüfung der Konten an und ließ die IOR erstmals einen Jahresbericht veröffentlichen.

Staatsanwalt: Mafia auch dank Kirche reich
Diese neue Transparenz könnte Franziskus gefährlich werden, warnt Gratteri. "Die Mafia, die investiert, Geld wäscht, die daher echte Macht hat, ist die Mafia, die durch die Jahre der Duldung durch die Kirche reich wurde." Das sei nun in Gefahr, weshalb die Nervosität unter den Mafiosi wachse.

Vorwürfe an Kirchenmänner
Gratteri griff außerdem Bischöfe und Priester in Süditalien an - diese würden bei Mafiosi oft ein und aus gehen und nicht gegen die Gewalt antreten. Generell sei etwa die Verbindung zwischen Mafia und Kirche stark ausgeprägt, berichtet der Staatsanwalt. In seinen 26 Jahren im Job seien noch bei jeder Hausdurchsuchung religiöse Bilder gefunden worden. "Die 'Ndrangheta und die Kirche gehen Hand in Hand."

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