Tumult in Kairo
Prozess gegen Mursi abgebrochen und vertagt
Mursi war mit einem Helikopter ins Gerichtsgebäude - einem Behelfssaal der Polizeiakademie - gebracht worden, die anderen Funktionäre sind mit gepanzerten Fahrzeugen zum Gebäude gebracht worden. Hunderte Anhänger der mittlerweile verbotenen Muslimbruderschaft demonstrierten gegen den Prozess. Nachdem Mursi kurz nach Beginn der Verhandlung mit lautstarken Parolen wie "Nieder mit der Militärregierung" für Wirbel sorgte, musste diese abgebrochen werden. Der Richter setzte die Fortsetzung des Prozesses auf den 8. Jänner fest.
Anstiftung zur "Tötung"
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 62-jährigen Ex-Präsidenten sowie den Mitangeklagten vor, sie hätten ihre Anhänger zur "Tötung oppositioneller Demonstranten" durch hetzerische Aufrufe angestiftet. Die Anklage bezieht sich auf die blutigen Zusammenstöße vor dem ägyptischen Präsidentenpalast vor einem Jahr, bei dem zehn Menschen durch Attacken islamistischer Schlägertrupps starben. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Mursi eine lebenslange Haftstrafe oder gar die Todesstrafe. Dennoch verzichtet Mursi auf rechtlichen Beistand - er betrachtet die Verhandlung in einem Video einer ägyptischen Zeitung als "illegitim und ein Verbrechen".
Ausschreitungen zwischen Anhängern und Passanten
Während der Verhandlung kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Mursi-Sympathisanten und Passanten. "Islamisch, islamisch, Ägypten bleibt islamisch" und "der Prozess ist eine Vergewaltigung des Volkswillens", skandierten Anhänger der Muslimbruderschaft. Hunderte Polizisten bezogen mit gepanzerten Fahrzeugen Stellung um das Gerichtsgebäude. Laut dem Fernsehsender Al-Arabya sollen Mursi-Anhänger eine Reporterin angegriffen haben. Auch um den Flughafen in Kairo wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Das Innenministerium hatte angekündigt, jeglichen Versuch, "Chaos zu stiften" mit allen Mitteln unterbinden zu wollen.
Mursi-Anhänger wollen vor Botschaften demonstrieren
Die Unterstützer des entmachteten Präsidenten kündigten für den Dienstag weitere Proteste an. Nach der ersten Sitzung im Prozess gegen Mursi will die "Allianz für die Unterstützung der Legitimität" auf allen Plätzen Ägyptens und vor ausländischen Botschaften in Kairo demonstrieren. Die Protestaktionen sollen unter dem Motto "Die Welt bejubelt die Standfestigkeit des Präsidenten" stehen.
Angst vor Polizeistaat
Mursis Prozess ist der erste öffentliche Auftritt seit seinem Sturz am 3. Juli. Vor der Verhandlung war der erste frei gewählte Präsident Ägyptens an einem geheimen Ort inhaftiert gewesen. Laut dem Nachrichtensender Al-Jazeera soll Mursi während seiner Haft nicht erlaubt worden sein, sich mit Anwälten zu treffen. Beobachter im In- und Ausland bekundeten indes die Sorge, Ägypten könne sich zu einem Polizeistaat entwickeln. Kurz vor dem Prozess hatte der amerikanische Außenminister John Kerry demokratische Wahlen eingemahnt. Er begrüßte die Zusage der vom Militär gestützten Übergangsführung, an ihrem Fahrplan für eine Rückkehr zur Demokratie festzuhalten. Bis dahin ist die Militärhilfe für das nordafrikanische Land eingeschränkt worden.











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