Antiviraler Effekt

Muttermilch macht Hepatitis-C-Viren den Garaus

Wissenschaft
29.10.2013 09:20
Darüber, dass Muttermilch in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für Säuglinge ist, sind sich die Experten einig. Doch was tun, wenn die Mutter mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert ist? Ein Forscherteam hat jetzt untersucht, was mit den Erregern in der Muttermilch passiert, und eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Der antivirale Effekt der Milch entspricht dem eines handelsüblichen Desinfektionsmittels.

Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, die anfangs meist unbemerkt bleibt, im weiteren Verlauf aber zu schweren Leberschädigungen und Leberkrebs führen kann. Weltweit sind über 200 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert, in Österreich sind rund 90.000 Menschen davon betroffen - die meisten von ihnen, ohne es zu wissen.

Ob Hepatitis-C-Viren mit der Muttermilch auf den Säugling übertragen werden können, ist nicht ganz klar, die Studien zu diesem Thema widersprechen sich. Als gesichert für eine Ansteckung gelten aber Risikofaktoren, wie eine besonders hohe Virenbelastung der Mutter, starke Blutungen bei der Geburt sowie eine Co-Infektion mit HIV.

Milch wirkt wie ein Desinfektionsmittel
Ein Team um Stephanie Pfänder und Eike Steinmann vom Institut für Experimentelle Virologie am Twincore (einem Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung) in Hannover wollte wissen, was mit den Viren in Muttermilch geschieht, sollten sie doch durch sie in das Baby gelangen. Dazu haben die Forscher in Kulturschalen untersucht, ob Muttermilch eine Infektion des Säuglings mit HCV durch die Mutter über die besonderen Eigenschaften der Milch verhindern kann.

"Um immunologische Nebeneffekte in der Milch auszuschließen, die automatisch entstehen, wenn eine Mutter mit HCV infiziert ist, haben wir die Milch gesunder Frauen verwendet", sagt Steinmann. Diese wurde mit hohen Viruskonzentrationen versetzt. Es zeigte sich, dass die Muttermilch die Erreger binnen einer Minute so stark inaktiviert wie 80-prozentiger Alkohol. Mit einer Einschränkung: Die Testmilch war nicht frisch, sondern auf vier Grad gekühlt.

Fettsäuren der Milch zerstören Virus-Hülle
Der Vergleich mit frischer Milch hat gezeigt, dass die gekühlte Milch einen deutlich stärkeren antiviralen Effekt hat als frische Milch. "Wir haben herausgefunden, dass freie Fettsäuren in der Milch für die Inaktivierung des Virus verantwortlich sind", sagt Stephanie Pfänder.

"Sozusagen die Zersetzungsprodukte der Milchfette, die sich durch die Lagerung bilden. Allerdings erwarten wir den gleichen Effekt auch im Darm des Säuglings durch die Verdauung der Milch." Diese freien Fettsäuren lösen die Hülle der Viren auf, ohne den Proteinmantel des Virus oder seine RNA (sein Erbmaterial, Anm.) zu zerstören. Die Verpackung des Virus wird also von der Milch aufgelöst und damit daran gehindert, sich an Zellen zu binden und diese zu infizieren.

Antivirale Wirkung wird weiter untersucht
"Erstaunlich war, dass weder die handelsüblichen Muttermilchersatzprodukte noch Kuh- oder Pferdemilch in der Lage sind, das auf Menschen spezialisierte HCV zu inaktivieren", sagt Steinmann. Ein auf Kühe spezialisiertes Virus, das dem HCV ähnlich ist, wird dagegen erfolgreich von Kuhmilch zerstört. Allerdings auch von menschlicher Muttermilch - die nicht nur Hepatitis C- sondern auch verschiedene andere behüllte Viren inaktiviert, wie beispielsweise das Influenza-Virus. Die genauen Mechanismen, die hinter der wundersamen antiviralen Wirkung der fettigen Babynahrung stehen, müssen die Virologen allerdings noch weiter untersuchen.

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