"Meer voller Toter"

Drama vor Lampedusa: Dutzende Migranten ertrunken

Ausland
03.10.2013 17:39
Bei einem Bootsunglück vor der Mittelmeerinsel Lampedusa sind am Donnerstag mindestens 133 Migranten ums Leben gekommen - darunter 47 Frauen und vier Kinder. Da es an Bord des Schiffes mit rund 500 Flüchtlingen zu einem Brand gekommen war, gerieten die Menschen in Panik und sprangen ins Wasser. Etwa 160 Personen konnten gerettet werden, Dutzende werden noch vermisst. Bei den Migranten handelt es sich mehrheitlich um Flüchtlinge aus Somalia, Ghana und Eritrea.

Zwei Fischkutter, die in der Nähe unterwegs waren, hatten Alarm geschlagen, als sie das sinkende Flüchtlingsboot gesichtet hatten. Daraufhin entsandte die Küstenwache Schiffe, auch mehrere Helikopter waren im Einsatz. Inzwischen wurde das Wrack des Bootes entdeckt. Tauchermannschaften sind am Werk, um weitere Leichen zu suchen.

An Bord hatte sich ein Brand entwickelt, der Panik unter den Migranten ausgelöst hatte. Einige Überlebende berichteten, sie hätten Decken in Brand gesetzt, in der Hoffnung, vorbeifahrende Schiffe würden die Flammen sehen. Das Feuer geriet dann aber außer Kontrolle, da niemand bemerkt hatte, dass sich Benzin auf dem Deck befand. Als die Migranten in ihrer Verzweiflung ins Wasser sprangen, kippte das ganze Boot um und sank.

"Es ist eine Tragödie, ein absoluter Horror"
Ich habe die Rettungseinheiten gebeten, mir die Situation zu beschreiben: Sie haben geantwortet, dass das Meer voller Toter ist", berichtete die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini. "Es ist eine Tragödie, ein absoluter Horror. Aus den Booten wird eine Leiche nach der anderen geholt", so Nicolini, die sich am Hafen der Insel befand. Die geborgenen Leichen sollen in einem Hangar des Flughafens der Insel aufgebahrt werden.

Italiens Premier Enrico Letta sprach ebenfalls von einer "riesigen Tragödie". Verkehrsminister Maurizio Lupi forderte von der EU und der internationalen Gemeinschaft eine gemeinsame Initiative zur Bekämpfung des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer. Auch Ex-Premier Silvio Berlusconi beschuldigte die EU, Italien im Umgang mit dem massiven Flüchtlingsstrom aus Nordafrika allein gelassen zu haben.

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn drückte im Namen der EU seine Erschütterung aus. "Diese Tragödie zwingt uns, hart zu arbeiten, um Lösungen für die Migrationsströme über das Mittelmeer zu finden. Die EU muss Italien im Umgang mit der Flüchtlingswelle helfen", betonte Hahn.

Schlepper kurz nach Drama festgenommen
Nur kurz nach dem Unglück konnte bereits einer der Verantwortlichen festgenommen werden: Bei einem Schlepper, der die Überfahrt aus Libyen organisiert haben soll, klickten am Donnerstag die Handschellen.

Kurz vor dem Drama war auf Lampedusa noch ein Flüchtlingsboot mit rund 460 Migranten an Bord angekommen. Sie wurden in das Auffanglager der Insel geführt, in dem sich zurzeit 700 Personen befinden. Fast täglich treffen auf der Insel neue Boote mit Hunderten Flüchtlingen aus Nord- und Schwarzafrika ein.

Immer wieder Unglücke bei den Überfahrten
Bei den Überfahrten kommt es allerdings auch immer wieder zu Tragödien: Erst am Montag waren bei der Ankunft von etwa 250 Flüchtlingen in Sampieri nahe der sizilianischen Stadt Ragusa 13 Migranten ertrunken. Die Leichen wurden von den Rettungsmannschaften aus dem Meer geborgen. Ein Boot war gestrandet, worauf die Menschen versuchten, schwimmend den Strand zu erreichen, nachdem sie von Menschenhändlern über Bord geworfen wurden.

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