Als Hirscher am Donnerstagvormittag auf dem Mölltaler Gletscher trainierte, regnete es. Und als er am Nachmittag nach Altenmarkt zur schon traditionellen Präsentation des Atomic-Rennteams mit unzähligen Stars wie Marlies Schild, Michaela Kirchgasser, Kathrin Zettel, Joachim Puchner, Max Franz oder Benni Raich kam, wieder. Aber in einem Monat will der regierende Weltcupsieger alles andere als im Regen stehen. Was sich dann freilich weniger aufs Wetter beziehen wird. Sondern – sprichwörtlich – vor allem auf sein sportliches Abschneiden im ersten Skirennen der Olympiasaison auf dem Gletscher über Sölden.
Jagd auf Ligety
"Dass ich dort diesbezüglich nicht im Regen stehen werde, wird man so nicht von mir hören. Selbst dann nicht, wenn sich der Satz vom Wetter her noch so aufdrängen würde", antwortet er gewohnt schlagfertig. Um im nächsten Atemzug an die Überlegenheit von Ted Ligety im Riesentorlauf zu erinnern. In Sölden etwa hatte der US-Star Hirscher, selbst immerhin auf Rang drei, über drei Sekunden abgenommen.
Hirscher will "Level halten"
"Die Materialumstellung vor dem letzten Winter hat mir in dieser Disziplin das Spielerische von früher geraubt. Ich muss versuchen, das wieder zu finden", betreibt er nochmals Ursachenforschung. Und beißt sich in der selben Sekunde selbst auf die Zunge. "Aber eigentlich sollte ich den Mund halten. Immerhin war ich am Ende hinter Ted Zweiter in der Disziplinenwertung – und es wäre doch ziemlich deppert, damit unzufrieden zu sein. Das Ziel muss eigentlich heißen, dieses Level zu halten."
Aber ganz kann er auch bei diesen Worten nicht verbergen, dass er doch etwas mehr will. "Vielleicht kann ich Ted ein bissl die Show stehlen", formuliert er dieses "Mehr" schließlich selbst treffend wie gewohnt. Getan wurde im Hirscher-Lager jedenfalls alles dafür. Ebenfalls wie gewohnt. Was sich nicht nur auf sein eigenes Leistungsvermögen bezieht, sondern auch aufs Material.
Riesiger Materialaufwand
Insgesamt hat er rund 100 Paar Ski zur Verfügung, darunter alleine 40 für den Riesentorlauf. Sein Servicemann Edi Unterberger macht nahezu täglich Überstunden, um gemeinsam mit Hirscher-Vater Ferdinand jene zu finden, die für den Auftakt in Sölden in Frage kommen. "Jede einzelne Trainingsfahrt ist dabei ein gröberer Test", beschreibt Unterberger. Und die der letzten Tage verliefen höchst erfreulich. Nicht nur vom Material her.
Auch Hirschers Form steigt offenbar stetig an. "Ich muss im Riesentorlauf noch um einiges schneller werden", hatte er vor wenigen Wochen nach der Rückkehr aus den Trainingslagern in Südamerika gemeint. Jetzt klingt das schon ganz anders: "Es ist in der letzten Zeit sehr, sehr gut gelaufen, und wir sind ein riesiges Stück weitergekommen!" Womit fast auszuschließen ist, dass er in einem Monat sportlich betrachtet "im Regen" steht.
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