Fromme Osterwünsche

Hofft Wiens FPÖ noch auf den „nassen Fetzen“?

Kolumnen
20.04.2025 06:00

„Spätestens 2025 werden wir Michael Ludwig mit dem nassen Fetzen aus dem Rathaus treiben“ – eine vollmundige Ankündigung, die der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp bei der Schlusskundgebung der Blauen als Einpeitscher für den Auftritt von Herbert Kickl vor der Nationalratswahl im September von der Bühne am Stephansplatz schmetterte.

In der Politik gibt es mehr Unwägbarkeiten als Gewissheiten. Unwägbar meist, welche Mehrheiten bei und vor allem nach Wahlen möglich sind. Viele Monate lang fragte man sich, ob sich ein Kanzler Kickl ausgeht. Dann schien eine Mehrheit gemeinsam mit der ÖVP in diesem Winter plötzlich in Griffweite – aber eben nur beinahe. Und so wurde aus dem selbst proklamierten „Volkskanzler“ Kickl ein „Doch-nicht-Kanzler“.

Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur
Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Als Gewissheit hätte noch zu Jahresanfang gegolten, dass Christian Stocker nie und nimmer Kanzler würde – wenn sich überhaupt jemand diese Frage gestellt hätte. Und nun regiert er Österreich.

Als Gewissheit darf gelten, dass FPÖ-Nepp kommenden Sonntag bei den Wiener Wahlen, auch wenn er stark dazugewinnt, Michael Ludwig nicht aus dem Rathaus treibt. Schon gar nicht mit dem sprichwörtlichen „nassen Fetzen“, auch wenn er diesen am Ostermontag (20.15 Uhr) bei der „Krone“-TV-Elefantenrunde wieder auspackt. Aber, wie heißt es im Platitüdenschatz so oft: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mit Hoffnungen und Unwägbarkeiten beschäftigen wir uns heute in der Oster-„Krone“ vielfach. Etwa im Bischofberger-Interview mit einer 16-jährigen (Ex-)Krebspatientin. Am Ostersonntag vor zwei Jahren hatte sie keine Haare mehr und kaum noch Hoffnung – Hochrisiko-Leukämie! Jetzt spricht sie geheilt kraftvoll über Angst, Mut und das Leben.

Über die spirituelle Kraft des Verzichts, auch über das Nichtstun, erzählt uns Pater Johannes Pausch manch nachdenklich Machendes. Glück zeige sich in zwei Dingen, sagt der Pater – in Dankbarkeit und Freude. „Wer dankbar ist, ist auf dem Weg zur Heilung.“

Ja, Ostern – es ist ein Fest der Ungewissheiten, der Freude, des Nachdenkens und der Hoffnungen.

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