Eigentlich war die Dreierkoalition im Grazer Rathaus mit dem Vorsatz angetreten, dass man Top-Positionen transparent und fair besetzen will. Parteizugehörigkeit sollte keinesfalls eine Rolle spielen. So zumindest das Versprechen von KPÖ, Grünen und SPÖ. Dieser Vorsatz geriet zuletzt ordentlich ins Wanken.
Wie berichtet, hat sich Langzeit-Messe-Chef Armin Egger mit einem geharnischten Brief an die Medien gewandt, indem er seinen Unmut über die Nichteinladung zum Hearing als neuer, alter MCG-Boss wortgewaltig kundtat.
Da der Bestellvorgang mit einer SPÖ-nahen Agentur und Report an eine Findungskommission, in der alle drei Koalitionsparteien vertreten sind, doch einige Fragen offenließ, machten auch die MCG-Minderheitsgesellschafter WKO, Landwirtschaftskammer und Steiermärkische ihrem Ärger Luft – um die Wogen zu glätten, stieg Dienstagnachmittag ein Runder Tisch bei Beteiligungsstadtrat Manfred Eber (KPÖ).
3.000 Mitarbeiter und 200.000 Euro
Der Messechef (der Vorstand wird ja auf politischem Wunsch hin, von zwei auf einen Kopf verkleinert) ist aber nicht die einzige Personalie, die es heuer neu zu besetzen gilt. Mit der dreiköpfigen Chefetage der Holding stehen auch die absoluten Top-Jobs im Haus Graz vor der Ausschreibung. Der Vorstandsvorsitzende ist nicht nur Chef von rund 3000 Mitarbeitern, sondern bekommt auch eine Jahresgage von rund 200.000 Euro – gilt übrigens auch für die anderen beiden Vorstandsposten.
Immer wieder fällt dabei der Name Leonore Gewessler. Doch die Noch-Ministerin wird auch als aussichtsreichste Nachfolgekandidatin für den grünen Bundeschef Werner Kogler gehandelt. Wer wird also dann das städtische Flaggschiff steuern? Offiziell ist freilich noch nichts, die Ausschreibung soll ja schließlich erst demnächst starten. Doch hinter den Kulissen wird eifrig über Namen diskutiert. Dem Vernehmen nach soll Gert Heigl, aktuell Vorstandsdirektor für Infrastruktur und Energie, in der Poleposition stehen.
Besänftigung für SPÖ
Für ihn soll sich besonders der mächtige Gewerkschaftsboss Horst Schachner stark machen. Gemunkelt wird auch, dass es sich dabei um ein Zugeständnis an die SPÖ handeln könnte. Obwohl ja offiziell Mitglied der Rathauskoalition, spielt sie realpolitisch nicht einmal eine Nebenrolle – und so könnten die Roten zumindest mit dem Holding-Chef besänftigt werden. Der bisherige und langjährige Holding-Chef Wolfgang Malik, sitzt aktuell noch auf einem ÖVP-Ticket, könnte somit leer ausgehen.
Heigls bisherigen Posten soll Alexandra Loidl, aktuell Chefin der Abfallwirtschaft, bekommen. Die ehemalige grüne Vizebürgermeisterin und aktuelle Holding-Aufsichtsrätin Lisa Rücker soll dies unlängst bei einem Gespräch zwischen Bürgermeisterin Elke Kahr und Mitgliedern des Aufsichtsrates eindringlich deponiert haben.
Blauer „Verbinder“ zum Landeshauptmann
Behalten soll seinen Sitz im Vorstand ausgerechnet Mark Perz. Ausgerechnet, weil seine Bestellung unter Schwarz-Blau damals äußerst umstritten war, er war damals der einzige Bewerber. Fachlich kann man dem Burschenschaftler aber nur wenig vorwerfen und die Koalition sieht in ihm auch einen Verbindungsmann zum blauen Landeshauptmann.
Also, eigentlich eh alles super transparent, oder? „Erstmals wird die Ausschreibung nach unseren Objektivierungsrichtlinien erfolgen“, stellt man dazu aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Manfred Eber (KPÖ) klar.
Einen schönen Mittwoch!
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