23.07.2013 11:19 |

Prügelopfer in China

"Rollstuhl-Bombe" am Flughafen war Verzweiflungstat

Im Fall jenes Rollstuhlfahrers, der am vergangenen Samstag in der Ankunftshalle des Pekinger Flughafens aus Protest einen Sprengsatz gezündet hat, werden nun immer mehr Informationen zum Hintergrund der Aktion bekannt. So dürfte es die Verzweiflungstat eines Mannes gewesen sein, der vor Jahren von Polizisten schwer zusammengeschlagen worden war - seither ist der 33-Jährige an seinen Rollstuhl gefesselt.

Seit acht Jahren hatte der Taxifahrer Ji Zhonxing versucht, mit Unterschriftensammlungen auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Der Mann war von Stadtwachen in Dongguan in der Provinz Guangdong im Jahr 2005 so brutal zusammengeschlagen worden, dass er seither nicht mehr gehen kann und an einen Rollstuhl gefesselt ist. Die erfolglosen Versuche des 33-Jährigen, in letzter Instanz Gerechtigkeit zu erreichen, hätten Ji zur nunmehrigen Verzweiflungstat geführt, erklärte sein Bruder gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Bruder: "Sie haben ihn ohne Grund verprügelt"
Neben den körperlichen und seelischen Schmerzen kamen auch finanzielle Schwierigkeiten hinzu. Laut seinem Bruder soll sich Ji mit mehr als 16.000 US-Dollar verschuldet haben. "Sie haben ihn ohne Grund verprügelt. Wäre irgendjemand von den Behörden, bloß eine Person, für meinen Bruder aufgestanden und hätte sie ein Wort der Gerechtigkeit gesprochen, er hätte das vielleicht nicht getan", meinte der ältere Bruder.

Nach Aktion musste Arm amputiert werden
Wie die Zeitung "Jinghua Shibao" berichtete, habe Ji am Samstag am Pekinger Flughafen Flugzettel verteilen wollen, sei jedoch vom Flughafenpersonal daran gehindert worden. Dann habe er einen Sprengsatz aus Schwarzpulver und Feuerwerkskörpern mit der Hand in die Luft gehalten und gezündet. Bis auf den 33-Jährigen selbst wurde dabei niemand verletzt. Nach der Amputation seines linken Arms wird der Rollstuhlfahrer nun weiterhin im Spital behandelt. Am Flughafen ging der Betrieb kurz nach der Aktion unbehelligt weiter, laut einer Mitarbeiterin des Airports habe es keine Verspätungen gegeben.

Fall des Rollstuhlfahrers wird erneut geprüft
Dennoch dürfte die Tat angesichts des Leidenswegs des Mannes eine Signalwirkung in China haben. Zwar wurde unmittelbar nach dem Zwischenfall ein Blog, in dem Jis Schicksal geschildert wurde, gesperrt. Doch nun kündigte die Stadtverwaltung von Dongguan an, seinen Fall erneut zu prüfen. Es wurde auch bestätigt, dass das Prügelopfer mehrmals rund 50.000 Dollar Schadenersatz gefordert habe.

"Dieser Fall zeigt, wie ineffektiv das System ist"
Ob Ji auf diesem Weg nachträglich zu seinem Recht kommt, wird sich zeigen. Liu Xiaoyuan, der als Anwalt bereits vielen Opfern staatlicher Willkür juristischen Beistand geleistet hatte, meinte: "Dieser Fall zeigt, wie ineffektiv das System ist. All diese Fälle gelten als Symbol für Chinas Unvermögen, ein gerechtes Rechtssystem aufzubauen." Dabei zeige sich immer wieder auf traurige Art und Weise, was passieren kann, wenn Entschädigungsforderungen nicht entsprochen werde.

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