18.07.2013 14:01 |

16.000 verschwunden

Kolumbien: Bauern droht im Kampf um ihr Land der Tod

In Kolumbien tobt seit Jahren eine blutige Auseinandersetzung zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern wie Unternehmen. Zehn Prozent der Bevölkerung sind Schätzungen zufolge bereits gewaltsam von ihrem Grund und Boden vertrieben worden, über 16.000 Menschen sind spurlos verschwunden. Zudem soll es etwa 1.600 Exekutionen gegeben haben. Erst Ende Juni wurden bei Demonstrationen nun erneut vier Menschen getötet und 50 verletzt, so Amnesty International.

Kolumbien ist das Land mit den meisten innerhalb eines Staates vertriebenen Einwohnern, berichtet Catalina Ballesteros Rodriguez vom Hilfsprogramm Christian Aid im "Guardian". Der Landbesitz konzentriere sich auf immer weniger Menschen, ganze Dörfer und indigene Gemeinschaften würden vertrieben.

Das führe nicht nur dazu, dass Kleinbauern nicht mehr in der Lage sind, mit dem Verkauf ihrer Waren genug Geld zum Überleben zu verdienen, sondern sogar zu mangelnder Versorgung der Familien selbst: Unterernährung, Anämie, Kalziummangel und Hunger seien die Folge des Kampfs um Grund und Boden.

Gesetz bisher ohne Wirkung
Zwar gebe es theoretisch ein neues Gesetz gegen Enteignung, das die Rückgabe von Grundbesitz an Vertriebene vorsieht, doch noch sei es weder zu Verurteilungen noch zu Restitution gekommen, beklagt Rodriguez. Stattdessen vergebe die Regierung in umstrittenen Gebieten weiterhin Konzessionen an Firmen, etwa für Minen.

Amnesty: Angst vor Gewalt durch Polizei
Wegen der aussichtslosen Lage kommt es immer wieder zu Demonstrationen. Laut Amnesty International (PDF) wurden dabei im Gebiet Catatumbo im Nordosten Kolumbiens zuletzt am 22. und 25. Juni vier Menschen getötet und 50 verletzt. Unter den Enteigneten gehe nun die Angst um, die Polizei werde künftig noch härter vorgehen, so Amnesty - schließlich behaupte die Regierung, Guerilla-Kämpfer hätten sich unter die Demonstranten gemischt. Eine Ausrede, so Kritiker, um sich nicht mit den Forderungen der indigenen Bevölkerung auseinandersetzen zu müssen.

Regierung zum Handeln aufgefordert
Hilfsorganisationen wie Einzelpersonen - etwa der britische Botschafter in Kolumbien - versuchen laut Rodriguez, einen Dialog zwischen der Protestbewegung und der Führung des Landes herzustellen. So sollen die Morde und das Verschwinden der zahlreichen Menschen endlich ernsthaft untersucht und die Enteignungen gestoppt werden.

Regierung redet sich auf Rebellen raus
Bis es so weit ist, gehe der Protest weiter, so Rodriguez. Derzeit würden zum Beispiel 6.000 Kleinbauern die Hauptstraße nach Cucuta, der Hauptstadt des Bundesstaats Norte de Santander, blockieren. Sie blieben standhaft trotz Behauptungen der Regierung, die Rebellenorganisation Farc stecke hinter der Kundgebung. Dabei werde das von den Teilnehmern abgestritten, berichtet Rodriguez - die Menschen würden nur versuchen, ihren Familien eine Zukunft zu sichern.

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