Sieben Verurteilte

NL: 1 bis 6 Jahre Haft für Totprügeln von Linienrichter

Sport
17.06.2013 15:22
Wegen der tödlichen Prügelattacke auf einen Linienrichter sind sechs junge niederländische Amateur-Fußballer und ein Vater zu Haftstrafen von ein bis sechs Jahren verurteilt worden. Ein Gericht in Lelystad befand die 16 und 17 Jahre alten Amsterdamer und den 51-jährigen Mann am Montag für schuldig. Sie hatten den ehrenamtlichen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen nach einem Spiel in Almere am 2. Dezember zu Boden geschlagen und mehrfach gegen den Kopf getreten. Der 41-Jährige erlag einen Tag später seinen Verletzungen.

Die Spieler und der Vater waren Mitglieder des Amsterdamer Club Nieuw Sloten. Sie hatten den Linienrichter am 2. Dezember nach einem Spiel gegen die Buitenboys in Almere zu Boden geschlagen und mehrfach gegen den Kopf getreten. "Sie traten ihn, als ob es ein Fußball wäre", erklärte das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Einen Tag später erlag der 41-jährige Familienvater seinen Verletzungen.

Erwachsener Angreifer muss sechs Jahre in Haft
"Die Angeklagten haben unbeschreiblich viel Leid verursacht", stellte das Gericht fest. Daher verhängten sie für fünf Jugendliche auch die maximale Jugendstrafe. Ein 16-Jähriger muss für ein Jahr ins Gefängnis. Er hatte als einziger gestanden, Nieuwenhuizen getreten zu haben. Sein Vater wurde zu sechs Jahren verurteilt. Ein weiterer Bursche wurde vom Vorwurf der Beihilfe zum Totschlag freigesprochen, muss aber wegen Körperverletzung 30 Tage in Haft. Die Verteidiger wollen Berufung einlegen.

Die Witwe des Opfers, Xandra Nieuwenhuizen, reagierte erleichtert auf das vorläufige Ende des Prozesses: "Nun kann der Trauerprozess beginnen." Die Attacke hatte die Niederlande tief schockiert und auch im Ausland große Aufmerksamkeit erregt. Zahlreiche Journalisten und TV-Teams verfolgten die Urteilsverkündung in Lelystad rund 50 Kilometer von Amsterdam entfernt. Doch nur drei der Angeklagten waren im Gerichtssaal.

Genauer Hergang des Angriffs wurde nicht geklärt
Der genaue Hergang des Angriffs, der kaum eine Minute gedauert hatte, wurde im Prozess nicht eindeutig geklärt. Die Verdächtigen hatten sich gegenseitig beschuldigt oder sich auf ihr Schweigerecht berufen. Die Richter aber waren der Ansicht, dass sie alle gemeinsam schuldig waren. Zeugen hatten ausgesagt, dass schon während des Spiels eine aggressive Stimmung geherrscht hatte. Die B-Junioren aus Amsterdam lagen lange 0:2 zurück, erzielten aber kurz vor dem Abpfiff noch den Ausgleich.

Anschließend hätten sie den Linienrichter wegen "parteiischer" Entscheidungen angegriffen. Umstritten war die Todesursache: Ein britischer Pathologe hatte im Auftrag eines Verteidigers erklärt, dass Nieuwenhuizen bereits einen genetischen Defekt an einer Schlagader hatte. Andere Gutachter hatten hingegen erklärt, dass die Gewalt zum Tode geführt hatte.

Die Prügelattacke hatte für den niederländischen Amateurfußball Folgen, der Fußballbund KNVB legte einen Aktionsplan gegen Gewalt vor. Vom 1. Juli an gelten strengere Strafen und schärfere Kontrollen. So wird für die Amateure unter anderem eine Zeitstrafe eingeführt. Bei einer Gelben Karte müssen Spieler für zehn Minuten das Spielfeld verlassen.

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