Robert Schneider lädt immer wieder Gäste in sein Heim ein – das hat aber manchmal durchaus auch unerwünschte Folgen. So wie das beim „elektrischen Heinz“ der Fall war ...
Ich habe nie an übersinnliche Fähigkeiten geglaubt. Seit vergangenem Silvester glaube ich daran.
Seit vielen Jahren feiert meine Familie gemeinsam mit Heinz Heiligabend, den ersten Weihnachtstag und Silvester. Heinz ist ein alter Schulkollege, ein grundtreuer, aber anstrengender Mensch. Warum er so oft kommt? Er will nicht allein sein, wenn alle um ihn herum feiern. Alte Traditionen soll man nicht von heute auf morgen beenden, und so wird Heinz noch viele Jahre mit uns feiern und mich belehren.
Am Weihnachtsabend war er zwei Stunden zu früh da. Meine Frau, die eine vorzügliche Köchin ist, schob gerade den Rehbraten ins Rohr. Heinz machte sich dienstbar, band eine Schürze um, fummelte am Display des Backofens. Es blitzte, rauchte kurz, dann war der Miele hinüber.
Wie wir dennoch alle satt wurden, erspare ich Ihnen zu erzählen. Am ersten Weihnachtstag rief Heinz vorsorglich an, ob es sich überhaupt lohne zu kommen, weil doch der Ofen kaputt sei. Zum Glück hatten wir einen befreundeten Elektriker beschwatzen können, das Hightech-Gerät provisorisch in Gang zu setzen. Es gab Ente.
Heinz schnippelte in der Küche Zwiebeln, räsonierte dabei mit Tränen in den Augen über mein Leben und wo ich stehen könnte, hätte ich nicht so viele kapitale Fehler begangen. Da fiel sein Blick auf unser Aquarium. „Ist das ein Kampffisch?“, fragte er meinen kleinen Sohn, tippte mit dem Finger an die Glasscheibe, und im selben Augenblick ging die LED aus, der Filter, die Appsteuerung, alles.
An Silvester gab es Raclette auf einer uralten Raclette-Station aus den 70ern, die meine Frau von ihrer Mutter geerbt hat. „Oh, wie fein!“, rief Heinz entzückt. Augenblicklich zischte und schmauchte es. Das Esszimmer war ohne Licht.
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