Die „Krone“ holt besondere Leistungen vor den Vorhang: Herzensmenschen wurden im Rahmen eine Gala auf Gut Aiderbichl ausgezeichnet. Frigga Obermayer schaut bei ihrem Engagement nie auf die Uhr. Die Flüchtlingshelferin aus Anif hat eine große Familie.
Frigga Obermayer (85) aus Anif-Niederalm hat eine große Familie. Sie ist Mama und Oma für sie alle – humorvoll, offen und immer um ein besseres Leben für ihre Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan oder Syrien bemüht. Sie kümmert sich um Wohnungssuche, Schulbildung, Behördenwege.
„Ich war immer schon sozial engagiert“, erzählt die pensionierte Fotografin, die nach dem Tsunami auf Sri Lanka half. 2015 war sie nach einem Info-Abend zur Flüchtlingskrise in Anif zur Stelle. „Die Gemeinde hat Wohnungen zur Verfügung gestellt“, erzählt sie. Ein Möbel-Aufruf wurde gestartet. Nach Skepsis im Ort war die Hilfsbereitschaft groß.
Und der Flüchtlingsstrom riss lange nicht ab: „Es kamen Busse voller Flüchtlinge aus Wien an. Niemand konnte deutsch. Auch Analphabeten waren dabei und Leute, die nicht gewusst haben, wie man eine Toilette benutzt oder wie man mit einem Kochherd umgeht.“
„Menschen waren in schlimmen Zustand“
Es waren Bilder, die sich für immer einprägen. „Vor allem auch Frauen und Kinder waren körperlich völlig am Ende.“ Ein fünfjähriges Mädchen war unter einen Bombenhagel geraten und sprach seither nicht mehr. Bei Obermayer kam dann die Umkehr: „Sie ist draußen gesessen und hat plötzlich zu reden begonnen. Da ist mir zum ersten Mal das Heulen gekommen.“
Herzensmensch Obermayer fand trotz Sprachschwierigkeiten immer eine Möglichkeit sich zu verständigen. „Ich spreche einfach gern mit Händen und Füßen“, lacht sie.
Die Geschichten gehen unter die Haut
Ihr Familiendomizil an der Königsseeache in Anif-Niederalm war für alle geöffnet. Soraya aus dem Iran wird die Anfangszeit in Österreich nie vergessen: „Es war hart. Aber Frigga war für uns immer erreichbar. Meine Tochter hat sie gleich Oma genannt.“ Mittlerweile hat Soraya eine Wohnung, eine Arbeitsstelle, ist voll integriert.
Frigga Obermayer nimmt ihre Flüchtlinge bis heute an der Hand. Beispiele, wie gut Integration funktionieren kann, gibt es in ihrem Umfeld jede Menge. „Es waren so liebenswürdige Personen dabei. Die Araber haben eine Lautstärke. Sie lieben Großfamilien. Ich bin für sie Mama und Oma.“ Auch viele Einheimische gratulierten schließlich, dass die Flüchtlinge in Anif so gut eingebunden sind.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.