Nach einem gemeinsamen Abendessen in Wien nahm ein Ehepaar einen betrunkenen Freund mit, um diesen nach Hause zu bringen. Doch der Mann griff mitten auf der Stadtautobahn A23 auf den Schaltknüppel und wollte aussteigen. Es folgt eine filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei zu Fuß über die Südosttangente.
„Wir waren vor dem Tunnel. Plötzlich hat er mich von der Rückbank aus angegriffen. Dann griff er auf den Schaltknüppel, wollte mitten auf der Autobahn aussteigen“, berichtet die Fahrerin als Zeugin im Wiener Landesgericht. Sie konnte am 21. Juli gegen Mitternacht noch rasch auf dem rechten Pannenstreifen vor dem Tunnel anhalten. „Ich war unter Schock“, erinnert sich die Lenkerin.
Der verwirrte 52-jährige Mitfahrer, von Beruf LKW-Fahrer, sprang sofort aus dem Auto. Beamte in einem vorbeifahrenden Streifenwagen wurden auf den Vorfall aufmerksam.
Sie beobachteten den Mann, wie er quer über die Fahrbahn und die Gegenfahrbahn der Südosttangente, die trotz der späten Uhrzeit gut befahren war, lief. Ein Polizist nahm die Verfolgung auf, rannte ebenfalls über die Fahrbahnen: „Wir wussten ja nicht, was passiert war. Nach rund 400 Metern Verfolgungsjagd per pedes auf der Autobahn stellte der junge Beamte den Flüchtenden, dem neben vorsätzlicher Gemeingefährdung auch Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung vorgeworfen wird. Weil der Serbe, als er angehalten wurde, zur Waffe des Beamten griff: „Plötzlich hat er auf meine Dienstwaffe gegriffen“, erinnert sich der Polizist.
Mit Fußfessel zu viert ins Auto getragen
Der Serbe leistete weiter massiven Widerstand. Warum, das kann er sich im Prozess selbst nicht mehr erklären. Drei weitere Beamte eilten herbei. Zu viert mussten sie den Autobahn-„Flitzer“ festhalten, ihm eine Fußfessel anlegen und in den Wagen heben. Der Mann versuchte immer wieder, auf die Polizisten hinzutreten. Die Nacht musste er schließlich in einer besonders gesicherten Zelle verbringen.
„Sie hatten großes Glück, dass nichts passiert ist“, sagt die Richterin. Der Mandant von Verteidiger Wolfgang Haas nickt. „Ich war betrunken und wollte einfach nachhause.“ Frau Rat sieht eine Verantwortungsübernahme und bietet dem Serben eine Diversion mit Probezeit auf zwei Jahre und einen Pauschalkostenbeitrag von 150 Euro an. „Es ist Ihnen offensichtlich sehr unangenehm, was an jenem Abend passiert ist.“
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